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6. Engeldarstellungen in anderen Werken Chagalls
Stellvertretend für die vielen Bilder, in denen die Thematik der Durchdringung von Raum und Zeit mit Engeln dargestellt wurden, sollen hier zwei Bilder stehen, die eine Erweiterung dieses Themas bedeuten.

 


6.1. DER ENGELSTURZ 1923 - 1933 - 1947

DER ENGELSTURZ erweitert das Thema indem er das Motiv des gestürzten Engels einführt, der in der Bibel als Ankläger des Menschen vor Gott steht. In das Viereck des Lebens und der Welt scheint das Licht der Ewigkeit in dem „kabodisierten“ runden Licht der Sonne, das sich in dem Licht der Sabbatkerze, des Uhrperpendikels[56] und dem Opferstier widerspiegelt.


Über der breit gelagerten Straße dieser Welt spielen sich kreisende Bewegungen ab. Eine kreisende Bewegung, deren Mittelpunkt die Sonne ist, hat viel hellere Farbtöne, die von der Sonne her ihr Licht erhalten.
 

Die zweite Kreisbewegung, deren Mittelpunkt das eine offene Auge des stürzenden Engels ist, hat dunklere Farben. Dadurch entsteht eine Spannung auf dem Bild, die sich aufzuheben und zu ergänzen scheint. Der aus dem Bild herausgehende Jude mit der Thora hat in seinem Gesicht die Farbe der Transzendenz, das mit dem Blau der Fidel und dem Kreuz korrespondiert. Er trägt nicht die Thora; sie zieht ihn aus dem sogenden Kreis des stürzenden Engels heraus, damit er nicht von den roten Feuerflügeln erfasst wird. So kommt er aus dem Kreis des Todes in den Kreis des Lebens.


Der das Gelb der Sonne widerspiegelnde Opferstier und die die „himmlische Melodie“ spielende Fiedel schieben sich zwischen den stürzenden Engel und den durch die Thora herausgezogenen Juden. Sie beschützen ihn damit vor dem stürzenden Engel.


Aber auch der Fromme, der enthusiasmierte und transzendentierte Mensch, wird durch den Sog des kreisenden Sturzes emporgeschleudert. Der stürzende Engel reißt trotzdem alles mit sich und wirbelt das Leben aller durcheinander.


Über den Dächern der Stadt ist das Leiden des Volkes im gekreuzigten Gottesknecht (Jes 52-53), der Sabbat in der Kerze, die Hoffnung auf den Messias in der Jungfrau mit dem Kind (Jes 9 u 11) und die Hoffnung auf das Reich Gottes, das sich im Spiel der Fidel findet, dargestellt.


In der Stadt geht der ewige Jude, trotz aller Wirrnisse, weiter durch die Zeit wie der Urvater des Glaubens, Abraham.

 


6.2.
IN DER DÄMMERUNG

In dem Bild IN DER DÄMMERUNG, das Chagall zwischen 1938-1943 in Amerika gemalt hat, zeigt er eine intuitive Vorahnung des Todes seiner geliebten Frau Bella, die an einer unerkannten Virusgrippe 1944 in Amerika starb.


Dieses Bild zeigt schon durch seinen Titel „In der Dämmerung“, dass es ein Bild zwischen den Zeiten sein will: zwischen Tag und Nacht, zwischen Realität und Fiktion, zwischen Zeit und Ewigkeit. Von daher gehört es in das Thema dieser Arbeit. Chagall malt sich als Maler mit einem erdgebundenen Anzug und blauem „transzendentalem“ Gesicht [57] (siehe Anmerkung 32), während Bella, wie ein Engel aus der Staffelei, auf ihn zufliegt. Sie wird so zu seiner Muße, ein irdischer mal`ak, die ihn durch ihre Liebe inspiriert. Er konnte nicht ahnen, dass Bella bald durch ihren Tod nur noch aus der Staffelei auf sein Leben und Schaffen einwirken konnte.


Noch viele seiner Bilder werden die Züge Bellas tragen, selbst als er mit Virginia Haggard von 1945-51 und Valentina (Vava) Brodsky von 1952 bis zu seinem Tode 1985 zusammen verheiratet war.


Sind die spielenden Frauen im linken Teil der blauen Sphäre des Bildes DIE VERTREIBUNG seine geliebten Frauen? Wir werden es wohl nie erfahren.

 


7. Protestantische Angelologie
Nachdem wir nun grundsätzliche Betrachtungen über die Durchdringung von Raum und Zeit, die ikonographischen Zeichen und ihre Prägung mit dem Schwerpunkt der Engeldarstellungen in den Bildern der MESSAGE BIBLIQUE MARC CHAGALL beendet haben, wollen wir uns der protestantischen Angelologie zuwenden. Da gilt es als erstes festzustellen, dass der Protestantismus keine eigene Angelologie entwickelt hat. Er hat die vorhandene Angelologie reformiert und auf die biblische Grundlage gestellt.


Darum wollen wir im Folgenden die biblische und die kirchengeschichtliche Grundlage in Zitaten kurz erläutern.

 


7.1. Die biblische Grundlage


7.1.1. Im Alten Testament
Von den ca. 120 Belegen entfällt eine große Menge auf wenige Kapitel: Gen 16 (par.21); 22; 28; 31; 32; 48; Num 22 f; Jdc 6; 13; I Reg 19; (par. Jes 37; par. II Chr 32); Sach 1-6; Mal 1-3; I Chr 21 (nach II Sam 24,16 f). Dazu kommen noch einige kleinere Gruppen, ... Deutlich nachträgliche Interpretationen liegen Gen 19, 1.15; 24,7.40; Ex 3,2a; II Sam 24,16 f vor,...“[58]


Im Alten Testament wird der Begriff ´Engel´ nur für die Boten Gottes (mal`ak JHWH , mal`ak aeLOHIM) genommen. Diese Boten Gottes können aber „ganz unterschiedliche Wesenheiten bezeichnen.“


- Menschen z.B. Priester Hag 1,13, Maleachi als angeblicher Prophetenname


- überirdische geflügelte Wesen
Kerub (בדוב) hat zwei (1 Kön 6, 23-28; 2Chr 3,10-13 ) bis vier (Ez 1,6ff) Flügel.
Ez 41,18ff haben die Kerubim im Tempel zwei Gesichter, ein Menschengesicht und ein Löwengesicht.
Ez 1,6 ff haben die Kerubim 4 Flügel und vier Gesichter (Menschen-, Löwen-, Stier- und Adlergesicht) und vier Flügel, sie bilden den Thronwagen.
Sie sind das Vorbild für das Aussehen der vier Wesen in Offb 4,6-8.
Gen 3,24 bewachen sie den Weg zum Baum des Lebens.
Ex 25, 18-20. 22 stehen 2 Kerubim auf der Bundeslade im Tempel.
Seraphim (sarap = שדך) sechsflügelige (Schlangen-) Wesen, die vor Gottes Thron stehen.
Nm 21,6-9; Dt 8,15 sind es feurige Giftschlangen.
Jes 6,1ff Bei der Berufung Jesajas haben die Seraphim sechs Flügel, die ihre Gestalt verbergen.
Im NT kommen sie nicht vor.


- einem mit Jahwes „Ich“ verwechselbaren Sprecher z.B. Ex 3, 2.4ff


- Als Namen werden im AT genannt:
  Michael (wer ist wie Gott?) als Engels-Fürst z.B. Dan 10,13.21; 12,1
  Gabriel (Held Gottes) z.B. Dan 8,16; 9,21
  Raphael (Gott heilt) z.B. Tob 12,15


Der Terminus meint nur die Botenfunktion (die Nominalbildung bedeutet ´Gesandtschaft´), d.h. Entsender, Empfänger und Botschaft sind wichtig, nicht aber die Art oder Seinsweise des Boten - sehr im Unterschied zur Abendländischen Engel-Vorstellung, die auf ein überirdisches und als solches erkennbares Wesen abhebt (Flügel).“[59]


Das Alte Testament hat von ihr (der Engel-Vorstellung) sparsamen Gebrauch gemacht, und eben so ist sie sehr originell. Wenn man bedenkt, wie wenig sie am Sein des Boten und wie ausschließlich an der geeigneten Ausrichtung der jeweiligen Botschaft interessiert ist, wird man dem Urteil Westermann gern folgen, dass sie (die Engelvorstellung) theologisch unüberholt und unüberholbar ist.“[60]

In der Schöpfungsgeschichte werden die Engel nicht mit erwähnt. Dass sie zur Schöpfung gehören, wird aus den vorhandenen Stellen über die Engel erschlossen.


Die Engel im AT sind also Boten Gottes, die nur im Auftrag Jahwes agieren. Manchmal werden sie nicht einmal als besondere Wesen erkannt, sondern als Menschen gedacht, die eine Botschaft Gottes weiter vermitteln.

7.1.2. Im Neuen Testament

Da Chagall fast nur Bilder zum AT gemalt hat, wollen wir die Engel im NT nur kurz streifen.


„Wie ihre jüdischen Zeitgenossen sind auch Jesus und die Autoren des Neuen Testaments überzeugt von der Existenz guter und böser Geistwesen; dem Teufel und seinen Dämonen steht der Erzengel (arcaggelo$) Michael mit seinen Engeln (§ggeloi) gegenüber (Apk 12,7-9). Mit dem antiken Judentum teilt das Neue Testament das besonders von den Pharisäern (vgl. Act 23, 6-9) ausgebaute dualistische System der Angelologie und Dämonologie (vgl. Mk 1,13 par. Mt 4,1.11; Barn 18,1).“[61]


Das altjüdische, aus Gen 6,1-4 herausgesponnene Mythologumenon von Sturz und Haft der ungehorsamen Engel bzw. Sterne spiegelt sich im Neuen Testament an zahlreichen Stellen (Lk 10,18; Joh 12,31; I Petr 3,19 f; II Petr 2,4 par. Jud 6; Jud 13; Apk 6,13;8,10 f;9,1-11; 12,4.7-9;..)“[62] wieder.


Angesichts der Fülle neutestamentlicher Aussagen über das Wirken der Engel...muss es überraschen, dass alle Schichten des Neuen Testaments an einer relativierenden Abwertung der Engel interessiert sind, die weit über ihre christologische Unterordnung...hinausgeht. Die Synoptiker und der Jakobusbrief können auch menschliche Boten als §ggeloi bezeichnen (Lk 7, 24; 9,52; Jak 2,25)...“[63]


Gegen eine Verehrung der Engel (vgl. immerhin Gal 4,14) polemisieren expressis verbis Kol 2,18 (vgl. Kol1,15-20) und Apk 19,10; 22,8 f; als Adressat solcher Warnungen kommt ein gnostizierendes Judenchristentum in Frage, das durch asketische Übungen Offenbarungen aus Engelmund erzwingen will (vgl. Kol 2,18.23).“[64]


Dem Neuen Testament ist die Personalisierung der guten (und der bösen) Mächte genauso selbstverständlich wie seiner jüdischen Umwelt. Im Bild von Engeln veranschaulicht sich der Fromme der Bibel das Geheimnis des göttlichen Wirkens. Vor der Würde ihres Auftraggebers und dem Gewicht ihres Auftrages treten im Neuen Testament die Engel völlig zurück; sie sind weder Gegenstand theologischer Reflexion noch gar kultischer Verehrung.


Wenn Engel Geburt, Auferstehung und Himmelfahrt Jesu begleiten, machen sie deutlich, dass die Sache Jesu Gottes Sache ist... Als eine angemessene Redeweise von Gottes Wirklichkeit, die rationale Denk- und Sprachstrukturen transzendiert, bleiben auch für uns ´die Engel... ein unveräußerliches Stück in dem großen Mythos der Bibel´
(Stählin...)“[65]


7.2. In der Kirchengeschichte

Jesus lehrt in der dritten Bitte des „Vater unser“: „Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden“ damit setzt er himmlische Wesen voraus. In der siebenden Bitte: „Sondern erlöse uns von dem Bösen...“ ist das „Böse“ personal gedacht. In der früheren Version des „Vater unsers“ stand hier „Teufel“, damit ist der gefallene Engel gemeint, der nun die Menschen in Versuchung führen kann.


Die Kirche hat in ihren Bekenntnissen keine ausdrückliche Engelslehre entwickelt.


7.2.1. Das Apostolische Bekenntnis
kennt keine Formulierung für die himmlischen Wesen. Hier sind in der Formulierung „Ich glaube an Gott,..., den Schöpfer des Himmels und der Erden...“ die himmlischen Wesen nicht expressis verbis genannt.


7.2.2. Das Nicänum

hat darum den Zusatz: „Wir glauben an den einen Gott,..., der alles geschaffen hat, Himmel und Erde, die sichtbare und die unsichtbare Welt.“


7.2.3. In der frühen Kirche

Das Bild der frühchristlichen Angelologie wird kompliziert durch volkstümliche Vorstellungen, wie sie in den Apokryphen des Neuen Testaments ihren Niederschlag finden. Nach Ep. Apost. 13 war Gabriel bei der Verkündigung kein anderer als Christus selbst. In Anlehnung an das Henochbuch werden Engel mit Namen angeführt, insbesondere die sechs ´erstgeschaffenen´: Satanael, der fiel, Michael, Gabriel, Uriel, Raphael, Nathanael[66]. Ein frommer Glaube an Schutzengel wird vor allem in den Pseudoclementinen... entfaltet.[67]


7.2.4. Augustin
entwickelt eine „höhere Angelologie“. „Die Engel wurden vor dem zweiten Schöpfungstag geschaffen...Sie sind Licht, aber nicht aus sich selbst, sondern im Wort (Civ. 11,9).“[68]

7.2.5. Dionysius Areopagita
Mit Dionysius Areopagita gewinnt die griechische Angelologie eine stärker theozentrische Orientierung als zuvor. Während das augustinische Denken das Wort in den Mittelpunkt rückt, erscheint bei Dionysius die Engelwelt entsprechend der triadischen Struktur der Gottheit...aufgebaut. Es gibt drei Ordnungen von Engeln, bestehend aus jeweils drei Arten: Seraphim, Cherubim, Throne - Herrschaften, Mächte, Kräfte - Fürstentümer, Erzengel, Engel. Auf jeder Ebene wiederholt sich das Muster der innertrinitarischen Beziehungen.[69]


7.2.6. Scholastik
Vor den ersten lateinischen Übersetzungen der dionysianischen Schriften im 9. Jh. ...gab es im Westen keine Spekulationen über Engel... Philosophische Auseinandersetzungen zu Beginn der Scholastik gaben der Angelologie neues Gewicht.


Durch Amalrich von Bena und seiner Lehre von den Engeln gab es einen „Quasi-Pantheismus“. Er wurde auf der 4. Lateransynode verurteilt. Auf der anderen Seite des Spektrums lehrte Rocelyn von Compiègne „einen Tritheismus, der die drei göttlichen Personen als drei Engel begreift;“ Bonaventura lehrte eine spirituelle Angelologie. Im Gegensatz dazu lehrt Thomas von Aquin „kühne philosophische Spekulation“.[70]
 

Im Spätmittelalter macht sich Duns Scotus besonders Gedanken um den „Erkenntnisprozeß bei Engeln und Menschenseelen. Wie Engel die Fähigkeit zu fortschreitender Erkenntnis haben, so ist auch ihre Willensfreiheit fortschreitend.“


In romanischen und gotischen Kirchen werden Engel, besonders in Darstellungen der Verkündigung und des Jüngsten Gerichts, häufig über dem Hauptportal abgebildet. Engelgestalten erscheinen auch in vielen Mysterienspielen.“ In Dantes GÖTTLICHER KOMÖDIE sind Engel reine Geistwesen. Sie bewachen verschiedene Kreise des Purgatoriums, den göttlichen Lichtpunkt.

 


7.3. Reformation und Protestantismus

Die Reformatoren lehnten Spekulationen über Engel ab.
In der Apologie der Konfession steht:
„Darüber so geben wir ihnen nach, dass die Engel für uns bitten. Denn Zach. Am 1. Stehet geschrieben, dass der Engel bitt: „Herr Zebaoth, wie lang willst du dich nicht erbarmen über Jerusalem?“ Und wiewohl wir nachgeben, dass, gleichwie die lebendigen Heiligen für die ganze Kirche bitten ingemein oder in genere , also müssen für die ganze Kirchen die Heiligen bitten ingemein, in genere. Doch hat solchs kein Zeugnis in der Schrift, denn allein den Traum, der genommen ist aus dem anderen Buch Maccabaeorum.“[71]
In den Schmalkaldischen Artikeln II. Teil Artikel 2 (Messe) steht:
„...Es heißt, Gottes Wort soll Artikel des Glaubens stellen und sonst niemand, auch kein Engel.[72]
 

Hier werden die Engel einfach vorausgesetzt.


Weiter heißt im Artikel 4
Aber der Bapst will nicht lassen gläuben, sondern spricht, man solle ihm gehorsam sein, so werde man selig. Das wollen wir nicht tun oder druber sterben in Gottes Namen. Das kommpt alles daher, dass er jure divino der Oberst hat sollen heißen uber die christ[en}liche Kirche. Darumb hat er sich mussen Christo gleich und uber Christum setzen, sich das Häupt, hernach einen Herren der Kirchen, zuletzt auch der ganzen Welt und schlecht einen irdischen Gott ruhmen lassen, bis er auch den Engeln im Himmelreich zu gebieten sich unterstund.[73]
 

Hier wird die Existenz von Engeln nach dem biblischen Befund nicht angezweifelt, aber sie sollen nicht angebetet werden.


Im lutherisch-protestantischen Gottesdienst werden in der „Präfation zum Sanctus, die Engel erwähnt, und mit ihnen zusammen wird das ´Heilig, heilig, heilig ist Gott, der Herr Zebaoth...´, das Trishagion, angestimmt. In diesem „mit“ wird unser Blick von uns selbst und von den Engeln weggelenkt hin auf Gott, dessen Heiligkeit der Lobpreis der Geschöpfe gilt. Zugleich werden wir hineingenommen in die Gemeinschaft, die die ´sichtbare´ und die ´unsichtbare´ Schöpfung umfaßt.“[74]

 


7.4. Schleiermacher
Schleiermacher hat in seiner 2. Auflage seiner Glaubenslehre von 1830, die von Martin Redeker nach kritischer Prüfung 1960 neu herausgegeben wurde, im ersten Anhang „Von den Engeln“ [75] geschrieben:

„§ 42. Da diese in den alttestamentlichen Büchern einheimische Vorstellung auch in das Neue Testament hinübergekommen ist und auf der einen Seite weder etwas Unmögliches in sich schließt noch mit der Grundlage alles gottgläubigen Bewußtseins im Widerspruch steht, auf der anderen Seite aber nirgends in den Kreis der eigentlichen christlichen Lehre hineingezogen ist: so kann sie auch ferner in der christlichen Sprache vorkommen, ohne jedoch dass wir verpflichtet wären, etwas über ihre Realität festzustellen.“
Er schreibt weiter: „Die Erzählungen von Abraham, Loth...tragen das Gepräge dessen, was wir S a g e zu nennen pflegen... Dichterische Ausführungen mancher Art in den Psalmen und Propheten leiten auch darauf, dass alles, was ein Träger eines göttlichen Befehls ist, auch Engel kann genannt werden;
...“


Im § 43 schreibt er: „Das Einzige, was als Lehre über die Engel aufgestellt werden kann, ist dieses, dass, ob Engel sind, auf unsere Handlungsweise keinen Einfluß haben darf, und dass Offenbarungen ihres Daseins jetzt nicht mehr zu erwarten sind.“ Und weiter: „Genauer betrachtet aber lässt sich aus allen Engelerscheinungen,..., nichts für gegenwärtige und künftige Zeiten schließen. Denn teils kommen diese Erscheinungen in jener Urzeit vor, als der Zusammenhang des Menschen mit der Natur noch nicht geordnet, und er selbst noch nicht entwickelt war;...Späterhin finden wir die Engel fast nur an großen Entwicklungspunkten, wo auch anderes Wunderbare vorzukommen pflegt...Vielmehr bleibt der Gegenstand für das eigentliche dogmatische Gebiet völlig problematisch, und es ist nur anzuerkennen ein Privatgebrauch von dieser Vorstellung und ein liturgischer. Jener wird sich doch immer nur darauf beschränken, die höhere Bewahrung, ..., zu versinnlichen. Bei dem liturgischen Gebrauch hat man von jeher vorzüglich darauf Bedacht genommen, dass Gott vorgestellt werden soll als von reinen und unschuldigen, endlichen Geistern umgeben,

 


7.5. Das 20. Jahrhundert


7.5.1. Volksfrömmigkeit

In der Volksfrömmigkeit spielen die Engel noch eine große Rolle, und das nicht nur zur Weihnachtszeit. Diese Volksfrömmigkeit ist sicher noch von den romantischen Engeldarstellungen des 19. Jahrhunderts geprägt, die nicht den Ernst und die Furcht vor dem Jahwe-Engel darstellten, sondern den begleitenden Engel Raphael, wie er in der apokryphen Schrift des Tobias beschrieben ist. Sie wird sicher auch von den jährlichen Christvespern, Krippenspielen und immer noch erhaltenen Bräuchen der Weihnachtszeit (und sei von der Werbung) erhalten.


7.5.2. Psychotherapie

Die Psychotherapie erfährt in ihrer Praxis die Engel als „Archetyp“ des menschlichen Seins. Brigitte Dorst schreibt: [76]
Der Engel ist tiefenpsychologisch gesprochen, ein archetypisches Bild, ein Urbild, das etwas symbolisisert und transzendiert, was nicht gegenständlich und kausal faßbar ist. Etwas bewegt und berührt uns in den Tiefenschichten der Seele, lässt Emotionen (Bewegendes) ins Bewußtsein treten.

 

In der ersten Duineser Elegie klagt R. M. Rilke:
´Wer, wenn ich schrie, hörte mich denn aus der Engel Ordnungen? Und gesetzt selbst, es nähme
einer mich plötzlich ans Herz: Ich verginge von seinem stärkeren Dasein ... Ein jeder Engel ist schrecklich.´


Aber die Engel wecken nicht nur Schrecken, sondern auch Gefühle von Tröstung, sind mit Erfahrungen von Beistand und Hilfe assoziiert.


7.5.3. Protestantische Theologie

Aber auch die protestantische Theologie sieht, bei aller Distanz und Abwehr von Missbrauch, auch heute noch in den Engeln „Boten Gottes“.


C. Westermann schreibt:[77]Es ist ein Segen, dass sie (die Engel) sich nicht darum kümmern, was die Menschen von ihnen denken, ob die Menschen an Engel glauben oder nicht. Sie können sich gar nicht darum kümmern, denn ihr ganzes Sein ist Auftrag. Der Engel kommt ins Sein mit seinem ganzen Auftrag, er vergeht mit der Erfüllung seines Auftrags, denn seine Existenz ist Botschaft.


Diese Sätze wollen nicht etwa das Sein der Engel erklären. Es ist gut, dass wir das nicht können. Die Worte wollen nur die Versuche abwehren, das Sein der Engel in menschliche Maße und Begriffe zu fassen.“


W. Stählin schreibt:[78] „In einer Schrift, die vor einigen Jahren über die Engel erschienen ist, wird die überraschende These vertreten, dass die Engel nicht nur außerhalb des Gottesdienstes, sondern auch außerhalb der Theologie stehen, das heißt, dass es weder sinnvoll sei, im christlichen Gottesdienst von Engeln zu reden, noch auch sich theologisch mit ihnen zu beschäftigen. Aber wie sollte etwas kein Heimatrecht in der Theologie haben, das in der Heiligen Schrift eine so große Rolle spielt wie die Engel, und wie sollte etwas aus der liturgischen Sprache verbannt werden, das in den Liedern und Gebeten der Kirche so vielfältig genannt ist? Und davon abgesehen: angesichts der positiven oder negativen Faszination, die das Wort ´Engel´ für viele Leute bedeutet, und angesichts der Unklarheit und Verwirrung, die dabei zutage tritt, ist es um so dringender geboten, dass wir theologisch von den Engeln reden, und ich wüßte nicht, wie man anders als theologisch sinnvoll davon reden könnte.


In dem Buch „Evangelischer Erwachsenenkatechismus“ von 1989 steht: [79] „Von den Engeln
Dietrich Bonhoeffer hat in seiner Gefangenenzeit (1943-45) Bewahrung gefunden und seine Erfahrung in folgende Worte gefasst: ´Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag.´
Dass diese guten Mächte auf dieselbe Erfahrung hinweisen, die in der Bibel und der kirchlichen Tradition mit den ´Engeln´ verbunden wird, kommt uns kaum zum Bewusstsein. Der Glaube an gute Mächte wie Schutzengel scheint stärker verblasst zu sein als der Glaube an das Teuflische....
Luther wollte das ´Fest St. Michaelis´ um der biblischen Lehre von den Engeln ausdrücklich beibehalten, ´dass bei den Christen ein rechter Verstand von den Engeln bleibe.´...


In der Gestalt der Engel kann man sich das Wirken des fernen, unnahbaren Gottes auch ganz in der Nähe im alltäglichen Leben vorstellen. Es ist darum nicht falsch, wenn Eltern ihren Kindern etwas vom Schutzengel sagen (Mt 18,10). Der Majestät Gottes geht darum nichts ab....Die guten Mächte, die durch Gottes Wort auf den Plan gerufen werden können, sind in Wirklichkeit zahlreicher, als man glaubt
.“

 


8. Schlussbetrachtungen
In den Bildern der Message Biblique Marc Chagall spielen geflügelte Wesen eine besondere Rolle. Aber auch darüber hinaus schweben in den Bildern Marc Chagalls Menschen, Tiere und Gegenstände in den Lüften, im Wasser aber auch auf der Erde. Marc Chagall nimmt diese Zeichen, um damit eine besondere Wirklichkeit darzustellen, die Seele des Menschen oder seine religiös-seelischen Zustände. Man kann in seinen Bildern die Wechselbeziehung zwischen Jahwe und einem Engel feststellen. So wie in den Berichten der Bibel nicht eindeutig feststeht, ob nun Jahwe selber oder einer seiner Boten gemeint ist, so lässt auch Chagall diese Frage offen und nutzt sie für seine Vieldeutigkeit der Figuren, Farben und Formen.


Allerdings kann man feststellen, dass Chagall bei den religiös-biblischen Bildern immer eine gleiche Farbsymbolik verwendet. Diese Farbsymbolik ist aus den Farben, die in der Bibel z.B. beim Bau der Stiftshütte genannt werden, entstanden.


Bei den Bildern der MESSAGE BIBLIQUE MARC CHAGALL und darüber hinaus kann er mit diesen Figuren, Farben und Formen als Zeichen religiöse Dimensionen des Menschen oder der gesamten Menschheit darstellen, die eine rein naturalistische Sichtweise des Menschen erheblich erweitert.


Chagall stellt Engel als Durchdringer der Transzendenz Gottes, als Boten, von Jahwe gesandt oder als Offenbarung Jahwes selbst, nie aber in einer eigenständigen Funktion und Aufgabe dar. Nie werden sie in den Bildern Chagalls angebetet oder gar als Götter verehrt.

 

Damit ist Chagall in seinen Darstellungen der Engel sehr nah an der Forderung der protestantischen Reformatoren in den Schmalkaldischen Artikeln: „Und wiewohl die Engel im Himmel fur uns bitten (wie Christus selber auch tut), also auch die Heiligen auf Erden oder vielleicht auch im Himmel, so folget daraus nicht, dass wir die Engel und Heiligen anrüfen, anbeten, ihnen fasten, feiern, Messe halten, opfern, Kirchen, Altar, Gottesdienst stiften und anderweise mehr dienen und sie fur Nothelfer halten und allerlei Hülfe unter sie teilen und iglichem ein sonderliche zueigen sollten, wie die Papisten lehren und tun; denn das ist Abgötterei, und solche Ehre gehöret Gott alleine zu...“[80]


Chagall sieht die Engel, wie die Reformatoren, als eine spirituelle Erscheinung, die ihre Bezeugung in der Heiligen Schrift hat und die im spirituellem Erleben erfahrbar werden.


Aber trotz jüdisch-chassidischer Prägung vieler seiner Bildzeichen lässt Chagall in der Engel-Darstellung seiner Bilder keine frühjüdische- oder mittelalterliche christliche Mystik erkennen, die eine ausgefeilte Angelologie seit Dionysios Areopagita entworfen hat.


Man kann seine Engeldarstellungen und die Darstellungen der transzendentalen Durchdringungen als eine „Neue Mystik“ verstehen, die aber stark an die biblischen Inhalte gebunden ist, wenn er sie auch frei, intuitiv und in einer Gesamtschau der biblischen Botschaft verwendet.


Diese religiös-innerpsychische Schau lässt tiefere Schichten unseres Menschseins anklingen. Sie zeigt Zeichen spirituellem Erlebens, die auch der heutige Mensch in seiner rationalen Umwelt sucht.


So ist es zu erklären, dass biblisch-religiösen Bilder Chagalls und eine Engeldarstellung
DER SCHÜTZENDE ENGEL im neuen evangelischen Gesangbuch zur Meditation anregen.

 

 

9. Literaturangaben


Alexander, Sidney
„Marc Chagall“
Knaur. 1988


„Ausstellungskatalog“
Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung, München
Hirmer Verlag GmbH, München
1991

 

„Ausstellungskatalog“
„Marc Chagall - Exoduszyklus“
Kunstbuchgalerie Traudisch - Schröter
Wiehl 1993


„Ausstellungskatalog“
„Marc Chagall“ - Bilder zur Bibel“
Kunstbuchgalerie Traudisch - Schröter
Wiehl 1992


„Bibel-Lexikon“
Herausgegeben von Prof. Dr. Herbert Haag, Tübingen
St. Benno-Verlag GmbH Leipzig 1970


Buber, Martin
Werke, Bd. 3 „Schriften zum Chassidismus“
Kösel-Verlag - Verlag KG München
und Verlag Lambert Schneider GmbH Heidelberg 1963


Cassou, Jean
„Chagall“
München-Zürich 1966


Chagall, Bella
„Erste Begegnung“
Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH,
Reinbeck bei Hamburg
93.-98 Tausend Oktober 1988


Chagall, Marc - Mayer, Klaus

„Ich stelle meinen Bogen in die Wolken“
Chagall-Fenster zu St. Stefan in Mainz, Bd. 2
Echter Verlag 7. Auflage 1988


„Das Fischer Lexikon“
Christliche Religion
Herausgegeben von P. Oskar Simmel SJ
und Dr. Rudolf Stählin
Fischer Bücherei KG, Frankfurt am Main 1957
Ausgabe 186.-193. Tausend: November 1967


„Die Bekentnisschriften
der evangelisch-lutherischen Kirche“ 9. Auflage
Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen 1982


Dorst, Brigitte in
„Wege zum Menschen - Monatszeitschrift für Seelsorge und Beratung, heilendes und soziales Handeln „
46. Jahrgang, Heft 3, April 1994
Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen


Edel, Reiner-Friedemann
„Repetitorium der hebräischen Grammatik“
Vierte Auflage
Oekumenischer Verlag Dr. R. F. Edel
Marburg/Lahn 1977


Erpel, Fritz

„Marc Chagall“
Henschelverlag Kunst und Gesellschaft, Berlin 1981

"Evangelischer Erwachsenenkatechismus“
Güthersloher Verlagshaus Gerd Mohn
5., neubearbeitete und ergänzte Auflage
(201.-220. Tsd) 1989


Goldmann, Christoph
„Kinder entdecken Gott mit Marc Chagall“
Vandenhoeck und Ruprecht in Göttingen
Christopherus-Verlag/Freiburg i. BR. 1978
Somogy Paris
Lizensausgabe für Bertelsmann,
Reinhard Mohn OHG. Gütersloh


Goldmann, Christoph

„Botschaft der Bibel“
Christopherus-Verlag Herder GmbH, Freiburg i.Br.
Burkhardhaus-Verlag GmbH Gelnhausen und Berlin
1976


Goldmann, Christoph
„Bildzeichen bei Marc Chagall“
Bd. 1. Alphabetische Enzyklopädie der Bildzeichen
Bd. 2. Enzyklopädie zu den Bildern
der „Biblischen Botschaft“
Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1995


Hütt, Wolfgang
„Wir und die Kunst“
Henschelverlag Kunst und Gesellschaft Berlin 1988


Keller, Horst
„Marc Chagall - Leben und Werk“
DuMont Buchverlag Köln, 1980


Köhler, Hans-Joachim

„Vom Anspiel bis zum Weihnachtsspiel -
Eine Einführung in die Spielarbeit der Kirche“
Manuskript für eine Arbeitshilfe
privat, 1996


„Lexikon der christlichen Ikonographie“
Herausgegeben von Engelbert Kirschbaum SJ u.a.
Herder Rom . Freiburg . Basel . Wien
Bd 1. 1968 / Bd 2. 1970 / Bd 3. 1971 / Bd 4. 1977 / Bd 5. 1990


„Lexikon für Theologie und Kirche“ Bd. 3
Herder
Freiburg . Basel . Rom . Wien 1995


Noth, Martin
„ATD“ Teilband 5 „Das zweite Buch Mose“
Evangelische Verlagsanstalt GmbH.
Zweite Auflage Berlin 1970


Religion in Geschichte und Gegenwart
(RGG) Bd. 2
J.C.B. Mohr (Paul Siebeck)
Tübingen 1958


Rosenberg, Alfons
„Chagall träumt Gott“
Evangelische Verlagsanstalt Berlin GmbH
2. Auflage Berlin 1978


Sarlier, Charles
„Ausstellungskatalog der Stadthalle in Balingen“
Retrospektive zum 100. Geburtstag Marc Chagalls 1987

Schleiermacher, Friedrich
„Der christliche Glaube“
Siebente Auflage Erster Band
Walter de Gruyter & Co. Berlin 1960


Schlink, Edmund
Ökumenische Dogmatik
Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1983


Stählin, Wilhelm

„Die Engel, Boten Gottes“
Oekumenischer Verlag Dr. R. F. Edel
Marburg an der Lahn 1968


Theologische Realenzyklopädie (TRE) Bd. IX
Walter de Gruyter
Berlin . New York 1982
„Theologisches Wörterbuch zum Alten Testament“
Verlag W. Kohlhammer
Stuttgart Berlin Köln Mainz 1984


Vogelsanger-de Roche, Irmgard

„Die Chagall-Fenster in Zürich“
Orell Füssli Verlag Zürich
2. ergänzte Auflage 1988


Westermann, Claus

„Biblischer Kommentar - Altes Testament Genesis“
Neukirchner Verlag
Neukirchen-Vluyn
1. Teilband Genesis 1-11 3. Auflage 1983
2. Teilband Genesis 12-36 1. Auflage 1981
3. Teilband Genesis 37-50 1. Auflage 1982


Westermann, Claus
„Gottes Engel brauchen keine Flügel“
Siebenstern Taschenbuch Verlag
München und Hamburg
2. Auflage 1968

 

 


10. Verzeichnis der Bilder:


GOLGOTHA, 1912
Öl auf Leinwand . 174 x 191 cm
The Museum of Modern Art, New York (Nachlass Lillie P. Bliss)


HOMMAGE à APOLLINAIRE, 1911 / 1912
Öl auf Leinwand . 209 x 198 cm
Stedelijk van Abbe-Museum, Eindhoven


DIE KREUZIGUNG IN GELB, 1942
Öl auf Leinwand . 140 x 101 cm,
Musée national Marc Chagall, Nizza (aus dem Nachlass)


DER TRINKER, 1911 / 1912
Öl auf Leinwand . 85 x 115 cm,
Sammlung H. Neumann, Caracas, Venezuela


DER GEIGER, (Der Fiedler auf dem Dach), 1912 / 1913


ÜBER WITBESK, 1926
Öl auf Leinwand, Privatsammlung


DIE ERSCHAFFUNG DES MENSCHEN,
Bible 1 WVZ Nizza 257


DER JUDE IN GRÜN, 1914
Öl auf Karton . 100 x 80 cm, Privatbesitz, Genf


DAS FENSTER JOSEFS, 1959-1962
Glasfenster, Hadassah-Klinik, Jerusalem


MAQUETTE DER KIRCHENFENSTER FRAUMÜNSTER IN ZÜRICH, 1996
Entwurf für die Kirchenfenster


MAQUETTEN ZU DEN KIRCHENFENSTERN VON ST. STEPHAN IN MAINZ, 1976
Entwurf für die Kirchenfenster


DIE ERSCHEINUNG, 1917 / 1918
Aquatinta/Kaltnadel . 37,2 x 27,3 cm 1924 / 1925
(als Öl auf Leinwand. 1917 , Privatbesitz, Moskau)


DIE ERSCHAFFUNG DES MENSCHEN, 1956-1958
Öl auf Leinwand, 300 x 200 cm,
Musèe National Message Biblique Marc Chagall, Nizza


DAS PARADIES,
Öl auf Leinwand, 185 x 287 cm,
Musèe National Message Biblique Marc Chagall, Nizza


DIE VERTREIBUNG,
Öl auf Leinwand, 190 x 284 cm,
Musèe National Message Biblique Marc Chagall, Nizza


DIE ARCHE NOAH,
Öl auf Leinwand, 236 x 234 cm,
Musèe National Message Biblique Marc Chagall, Nizza


NOAH UND DER BOGEN AM HIMMEL,
Öl auf Leinwand, 205 x 292,5 cm,
Musèe National Message Biblique Marc Chagall, Nizza


ABRAHAM UND DIE DREI ENGEL,
Öl auf Leinwand, 190 x 292 cm,
Musèe National Message Biblique Marc Chagall, Nizza


DIE FESSELUNG ISAAKS,
Öl auf Leinwand, 230 x 235 cm,
Musèe National Message Biblique Marc Chagall, Nizza


JAKOBS TRAUM VON DER HIMMELSLEITER,
Öl auf Leinwand, 195 x 278 cm,
Musèe National Message Biblique Marc Chagall, Nizza


DER KAMPF JAKOBS MIT DEM ENGEL,
Öl auf Leinwand, 249 x 205 cm,
Musèe National Message Biblique Marc Chagall, Nizza


MOSE VOR DEM BRENNENDEN DORNBUSCH,
Öl auf Leinwand, 195 x 312 cm,
Musèe National Message Biblique Marc Chagall, Nizza


MOSE ERHÄLT AUS DEM FELSEN WASSER FÜR DAS VOLK,
Öl auf Leinwand, 236 x 232 cm,
Musèe National Message Biblique Marc Chagall, Nizza


MOSE EMPFÄNGT DIE TAFELN DES GESETZES,
Öl auf Leinwand, 238 x 234 cm,
Musèe National Message Biblique Marc Chagall, Nizza


DER ENGELSTURZ, 1923 - 1933 - 1947
Öl auf Leinwand, 148 x 189 cm,
Leihgabe im Kunstmuseum Basel


IN DER DÄMMERUNG, 1938 -1943
Öl auf Leinwand, 100 x 73 cm, Privatbesitz, Bern

DER SCHÜTZENDE ENGEL,
Kohle und Tusche, 35,6 x 26,8 cm
Verlag Phillip v. Zabern, Mainz

 

 

 

11. Anmerkungen:
[1] M. Buber zitiert bei der „Darstellung des Chassidismus“ a.a.O. S. 983 „Darum wird in der zweifellos der  Lehre des Meisters getreueren Polnaer Tradition das Verhältnis zwischen Leib und Seele dem zwischen   Mann und Weib verglichen, von denen jedes nur die Hälfte eines Wesens und, um zur Erfüllung des Lebens zu gelangen, auf die andre Hälfte angewiesen sei.“


[2] Dies ist eine der Möglichkeiten zur Auslegung von den Gottesknechtliedern in
Jesaja (Jes 42, 1-4; 49, 1-6; 50, 4-9; 52,13 - 53,12),
    1. die „kollektive Deutung“: das Volk Israel ist der leidende Gottesknecht
    2. die „individuelle Deutung“: der Prophet sieht sich selbst als den leidenenden Gottesknecht und
    3. die „messianische Deutung“: der leidende Gottesknecht ist der kommende Messias. Nach Apg 8, 26 ff ist dies Jesus von Nazareth, der gekreuzigt wurde.
[3] z.B. aus Psalm 22, 2 „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“


[4] Beide Zitate nach C Goldmann „Bild-Zeichen bei Marc Chagall“ a.a.O. Bd. 2 S. 224


[5] Wir werden später noch genauer darauf eingehen.


[6] Zitiert nach M Chagall, K Mayer „Der Gott der Väter“ a.a.O. S. 33


[7] Dies ist in diesen Thema von Interesse, weil auch die protestantischen Kirchen in der Liturgie ihrer Gottesdienste auf das Präfationsgebet mit dem „Trishagion“, dem dreimaligen „sanctus“, in den Lobgesang der Engel mit einstimmen.


[8] H-J. Köhler Manusskript für eine Arbeitshilfe „Vom Anspiel bis zum Weihnachtsspiel“ a.a.O. Einführung; 1.1.
Was will Kunst?


[9] aus W. Hütt „Wir und die Kunst“ a.a.O. S. 15


[10] S. Alexander a.a.O. S. 302: "Einmal allerdings zog Schapiro den Zorn Chagalls auf sich. 1957 fragte ein Schriftsteller den Kunsthistoriker, wo Chagall die Idee der fliegenden Menschen herhaben könnte. Und Schapiro meinte: " Nun, im Jiddischen sagt man von einem Hausierer: E r  g e h t  ü b e r  d i e  H ä u s e r. Was bedeutet: Er geht durch die Stadt. Ein Hausierer ist also einer, der ü b e r  d i e  H ä u s e r  g e h t, das heißt durch die Stadt." Der Schriftsteller zitierte nun getreulich Schapiros Äußerung: Chagall habe seine fliegenden Geschöpfe jiddischen Redewendungen dieser Art entnommen - L u f t m e n s c h (ein Mensch
"ohne Sitzfleisch") und er geht über die Häuser. Als Chagall das las, wurde er sehr wütend. Ich antwortete darauf: "Natürlich wurde er wütend - das ist ihm ähnlich, als wenn man ihn ´literarisch´ nennt. Er hat Angst, das Publikum könnte ihn für einen Illustrator halten." Schapiro lächelte ein recht chagallsches Lächeln und entgegnete: "Aber er i s t doch ein Illustrator. Und ich als Mediävist habe überhaupt nichts gegen Illustratoren. Das Entscheidende ist für mich nicht, daß er ein Illustrator ist, sondern, daß er ein g r o ß e r Illustrator ist.

[11] so Goldmann in „Bildzeichen“ a.a.O. Bd. 1 Stichwort „Bettler“ S. 45: „Es ist abwegig, anzunehmen, daß Chagall hier an den >ewigen, heimatlosen, Ahasver-Juden< (so manche älteren Kommentare) gedacht hätte. Für Chagall oft: Bettler, wie in jüdischer Tradition, mit dem die Erde als Armer durchstreifenden Elia identifiziert Mein Leben S. 40“.


[12] aus M. Buber Werke Bd. 3 a.a.O. S. 37f: „Wer des heimlichen Liedes kundig ist, das das Innen ins Außen trägt, des heiligen Reigens, der einsame spröde Worte zum Gesang der Fernen verschmilzt, der wird der Gottesmacht voll, ´und es ist, als schüfe er Himmel und Erde und alle Welten von neuem´. Er findet sein Reich nicht vor wie der Seelenbefreier, er spannt es aus vom Firmament zu den schweigenden Tiefen. Aber auch er  wirkt an der Erlösung.“


[13] S. Alexander a.a.O. S. 201 beschreibt diese Zeit: „Je mehr Rußland weinte, desto mehr lachte Chagall. Bürgerkrieg, Hungersnot, politische Unterdrückung lösten bei ihm die stärksten clownhaften Reaktionen aus. Allerdings kommt es nicht selten vor, daß sein Lachen nichts anderes als eine besondere Form des 

Schreckens ist, etwa im Falle der leidvollen Silhouette des riesigen fliegenden Bettlers über Witbesk.
Der führende Schauspieler der Truppe (des Theaters in der Tschernischewski-Straße in St. Petersburg), Michoels, wurde sein wichtigster Anhänger. Ebenso verhungert wie alle anderen in Rußland, wartete er auf
Chagalls phantastische Direktiven...Wie für alle Schauspieler war für ihn der Körper sein Instrument; seine
Gedanken äußerten sich in zuckenden Ellenbogen, einem geneigten Nacken, einem Heben der  Augenbrauen. Aufmerksam folgte er Chagall, der seine neueste Idee entwickelte, und gab der Idee sogleich körperhaften Ausdruck in hebräischen Buchstaben: einem lamed-artigen Stoß seines Beins, einer Aleph-Kurve seines geschmeidigen Körpers, einem Nicken, das zum Yod wurde...aber jetzt versuchten auch die anderen Schauspieler zu verstehen, was Chagall wollte. Scheu betrachteten sie seine Bilder, standen um ihn herum, der auf der hohen Leiter stand, lauschten Chagall, lauschten Michoels. Selbst Granowski lauschte. Chagall war der eigentliche Leiter
.“


[14] Übersetzung von Martin Noth ATD Bd. 5 a.a.O. S. 122


[15] S. Forestier im „Prospekt Nizza“ a.a.O. S. 1


[16] Ex 25, 2-5 Gaben für die Stiftshütte: „Und der HERR redete mit Mose und sprach: Sage den Israeliten, dass sie für mich eine Opfergabe erheben von jedem, der es freiwillig gibt. Das ist aber die Opfergabe, die ihr von ihnen erheben sollt: Gold, Silber, Kupfer, blauer und roter Purpur, Scharlach, feine Leinwand, Ziegenhaar,
rotgefärbte Widderfelle, Dachsfelle, Akazienholz.


[17] Ex 28,15- 21 „Die Brusttasche für die Losentscheidungen sollst du wie den Priesterschurz machen, kunstreich gewirkt, aus Gold, blauem und rotem Purpur, Scharlach und gezwirnter feiner Leinwand. Und du sollst sie besetzen mit vier Reihen von Steinen. Die erste Reihe sei ein Sarder, ein Topas und ein Smaragd, die andere ein Rubin, ein Saphir und ein Diamant, die dritte ein Lynkurer, ein Achat und ein Amethyst, die vierte ein Türkis, ein Onyx und ein Jaspis; in Goldgeflecht sollen sie gefasst sein. Zwölf sollen es sein in Siegelstecherarbeit nach den Namen der Söhne Israels, dass auf jedem ein Name stehe nach den zwölf  Stämmen.


[18] Wir werden in dieser Arbeit nicht die gesamte Farbsymbolik Chagalls ausloten, sondern nur die Farben, die für unser Thema relevant sind.


[19] bei C. Goldmann „Bildzeichen bei Marc Chagall“ Bd. 1 a.a.O. S. 61: „...Grün ist in vielen Gesichtern mit dem >ethusiasmierten< (von griech.: en-theo, >in Gott getauchten<) Grün zu erkennen: Immer wieder sind Menschen so gekennzeichnet, in denen >>die >beiden Welten< zu einer Einheit kommen<<, die >Frommen<, >Bewährten<, die >ganzen Menschen<...“


[20] S. Forestier „Prospekt“ a.a.O. S. 22


[21] siehe M Chagall, K Mayer „Der Gott der Väter“ a.a.O. S. 7


[22] „Theologisches Wörterbuch zum Alten Testament“ a.a.O. Bd IV Sp. 887

מלא mal`ak (leider kann ich die hebräische Schriftzeichen und die Umschreibungen aus technischen Gründen nur in dieser vereinfachten Form schreiben): „Das Wort mal`ak kommt im AT 213 mal vor und bezieht sich sowohl auf menschliche wie auch auf göttliche „Boten“.... Dabei bezieht sich mal`ak auf einen einzelnen, der zu jemanden geschickt ist, um eine Botschaft zu überbringen oder einen Auftrag auszuführen. Er spricht, erhält Antwort und kehrt schließlich zu dem zurück, der ihn gesandt hat. Solche Boten begegnen im menschlichen und göttlichen Bereich...; d.h. göttliche Boten sind die, die von Gott aus seiner himmlischen Wohnstätte geschickt sind, während menschliche Boten von irdischen Führern entsandt werden. Der mal`ak verkündet nicht seine eigene Botschaft, seine Funktion und Botschaft sind viel mehr abhängig von dem Willen des Senders, nicht aufgrund dessen, wer er ist, sondern aufgrund dessen, der ihn sendet. Die räumliche Distinktion wird bes. beim Propheten deutlich: ein Mensch als Bote Gottes. Der Prophet ist Zeuge dessen, was im himmlischen Rat ...vor sich geht. Er hat Gottes Botschaft zu bringen, aber er bleibt auf der Erde.“


[23] siehe Mt 17, 1-13; Mk 9, 2-13; Lk 9, 28-36


[24] C. Goldmann: „Bild-Zeichen bei Marc Chagall“ a.a.O. Bd. 1 S. 52: „Doppel-Jod: yy Abreviatur des hebräisch geschriebenen Gottesnamens. Dieses Zeichen yy wird von Chagall vielfach verwendet, entweder in der Buchstabenform oder in eine Art Verfremdung: als zwei Mondsicheln in zunehmender (nach links geöffneter, der rabbinischen Schreibweise entsprechender) Form..., oder, gespiegelt, in abnehmender (nach rechts geöffneter) Form...Chagall kann auch eine Mondsichel und einen springenden Fisch dafür einsetzen...“


[25] M. Chagall, K. Mayer „Der Gott der Väter“ a.a.O. S. 19


[26] Das „Fischer Lexikon“ Artikel „Messe“ a.a.O. S. 205


[27] Sir 45,5


[28] aus „Chagall träumt Gott“ EVA Berlin 1978 a.a.O. S. 13 ff


[29] Er hat dieses Thema wiederholt gemalt. Aus technischen Gründen habe ich die Kaltnadelradierung von 1924/25 ausgesucht.


[30] C. Goldmann hat in seinem Buch „Bildzeichen...“ a.a.O. Bd. 2 die einzelnen Bilder mit ihren ikonographischen Zeichen untersucht und dargestellt. Ich habe viele nützliche Erkenntnisse aus diesen Beschreibungen gewonnen. Dieses Kapitel versucht nun nicht wiederzugeben was Goldmnann und andere vorgedacht und beschrieben haben. Es versucht vom Thema und den bisher gewonnenen Erkenntnissen her die Bilder zu untersuchen. Wir werden die Schwerpunkte auf die Engeldarstellungen und damit die Durchdringung von Raum und Zeit in den Farben Blau und Grün legen.


[31] C. Goldmann „Bildzeichen“ Bd. 1 a.a.O. S. 73: „Chagall entspricht der jüdischen Schreibweise, indem er den Gottesnamen entweder mit den vier Zeichen JHWH schreibt oder in der rabbinischen Abreviatur " - ´´, bzw. Dieses Doppel-Jod mit verwandten Zeichen...verfremdet. Ja, er kann ihn spiegelverkehrt zeichnen...“


[32] C. Goldmann „Bildzeichen bei Marc Chagall“ a.a.O. S. 62: "Blau ist in seiner Primär-Erfahrungsqualität gewählt für die Fläche des Himmels und die des Meeres. Dabei handelt es sich jeweils um die von jedem Menschen zu machende Erfahrung unserer räumlichen Begrenzung durch die Wasserfläche oder das Firmament, woran sich immer wieder die (oft spekulative) Frage nach dem Darüberhinaus anschließt: „Was mag dahinter sein?“ Im Sinne dieser >überschreitenden< transzendierenden Frage des Menschen hat Chagall auch die zeitliche Dimension mit ihrem Begrenzungscharakter und dem sich anschließenden >Transzendierungswunsch< („Wenn man einmal den Vorhang der Zukunft zurückziehen und dahinter blicken könnte!“) verbunden.“


[33] C. Goldmann „Bild-Zeichen“ Bd. 1 a.a.O. S. 40: „Beide Seiten Gottes In der jüdischen Tradition: -
einerseits die JHWH-Seite Gottes, (gesprochen: HaSchem- oder Adonaj-Seite). Dafür kann auch stehen: rachamim- (d.h. Uterus), Erbarmens- oder mütterliche Seite des Gottes, der versprochen hat, >gegenwärtig< zu bleiben, mitzugehen durch jede Wüstenzeit und durch jedes bedrohliche Meer, in jedes Liebesglück und jeden Erntesegen seines Volkes - andererseits die ,yhla-ELOHIM-Seite Gottes. Dafür kann auch stehen: Schöpfer-, din- (d.h. Ahndungs-) oder richterliche Seite des Gottes, der die Welt nach fehlerfrei  funktionierenden Gesetzen geschaffen hat und der dem Menschen die Folgen seines (diesen Gesetzen nicht entsprechenden) Tuns nicht erspart, sondern einen Ausgleich von Taten und Folgen bzw. Tun und Ergehen schafft.... Die beiden Seiten Gottes (werden) von Chagall unterschiedlich gezeichnet: z.B. in Farbgebung (dunkler/heller Flügel,... siehe BILD 1, 5, 8, 10) oder Formgebung (Segensgebärde und Richterstab...siehe BILD 2, 3...dunkles und helles Auge...
siehe BILD 4)."

[34] Bella Chagall berichtet davon in ihrer „Ersten Begegnung“ a.a.O. S. 114: „Frühling Der Winter ist vorbei, vorbei sind Kälte und Schnee. Der Himmel ist wolkenlos, und ein leichter, frischer Wind weht, verkündet wie ein Schofar-Bläser: „wsch...wsch... wsch... Der Frühling kommt.“ Alles erwacht, dehnt und streckt sich, hie und da ist ein Knacken, ein Brechen zu hören, wenn der Saft in die Zweige steigt...


[35] In einer leicht ironisch überspitzten formelhaften adjektivierten Farbnamengebung könnte ich noch in dieser Arbeit dies Gelb als „kabodisiertes Gelb“ der Lichtherrlichkeit; das Weiß als “epiphanierendes Weiß“ der Erscheinung Jahwes; das Rot als „agapeisierendes Rot“ der Liebe; oder das „minchahnisiertes Rot“ des Opfers und Violett als „berakaisierendes Violett“ des Segens bezeichnen, die aber auch in dieser ironisch formelhaften Überspitzung ein Zeichen der Aussage dieser Farbe sind. Ich weiß, Chagall würde ein „chagallsches Lächeln“ aufsetzen und sagen: aber verändere sie immer einmal, variiere sie, stelle sie in immer neue Zusammenhänge, vermische sie, damit alles nicht so offensichtlich ist, aber laß alles organisch und nicht formalistisch wirken!


[36] Psalm 148 „Halleluja! Lobet im Himmel den HERRN, lobet ihn in der Höhe! V2 Lobet ihn, alle seine Engel, lobet ihn, all sein Heer! V3 Lobet ihn, Sonne und Mond, lobet ihn, alle leuchtenden Sterne!| V4 Lobet ihn, ihr Himmel aller Himmel und ihr Wasser über dem Himmel! V5 Die sollen loben den Namen des HERRN; denn er gebot, da wurden sie geschaffen. V6 Er läßt sie bestehen für immer und ewig; er gab eine Ordnung, die dürfen sie nicht überschreiten. V7 Lobet den HERRN auf Erden, ihr großen Fische und alle Tiefen des Meeres, V8 Feuer, Hagel, Schnee und Nebel, Sturmwinde, die sein Wort ausrichten, |V9 ihr Berge und alle Hügel, fruchttragende Bäume und alle Zedern, |V10 ihr Tiere und alles Vieh, Gewürm und Vögel, V11 ihr Könige auf Erden und alle Völker, Fürsten und alle Richter auf Erden, |V12 Jünglinge und Jungfrauen, Alte mit den Jungen! V13 Die sollen loben den Namen des HERRN; denn sein Name allein ist hoch, seine Herrlichkeit reicht, so weit Himmel und Erde ist...


[37] z.B. in DIE ZEIT HAT KEINE UFER von 1930-1939


[38] so C. Goldmann „Bildzeichen“ Bd. 2 a.a.O. S. 49


[39] „Bibellexikon“ a.a.O. Sp. 1264 Artikel „Opfer“: Gabe (minchah), geheiligte Gabe (korban).Von diesen Termini ist Minchah der älteste (Gn 4,3) er bezeichnete zunächst sowohl blutige wie unblutige (4,3, verbrannte (1 Sm 26,19) und nichtverbrannte (Ri 6,18)O....“ (leider schafft mein Computer nur diese vereinfachte Schreibweise der hebräischen Umschreibungen!)


[40] C. Goldmann „Bildzeichen“ a.a.O. Bd. 2 S. 84: „Zu keinem anderen Bild aus dem Zyklus hat Chagall so viele Vorarbeiten, zu keinem 20 Vorstudien geschaffen. Und nie sonst gibt es unter den Vorstudien eine solche Fülle divergierendster Einfälle und Entwürfe.“


[41] C. Goldmann „Bildzeichen“ a.a.O. Bd. 1 S. 61f: „Rot ist als Farbtotale unter den 12 Bildern des Hauptsaales nur einmal zu finden auf Bild 6. Es hinterlegt und bestimmt die biblische Szene, in der die >himmlische Welt< sich mit der irdischen in einer äußerst gewagt formulierten Dichte verbindet: Gott mit seiner Liebeszuwendung zu Abraham, der mit dem Prädikat >>mein (mich) Liebender<< (Jesaja 41, 8) in der Bibel besonders herausgehoben wird...“ Das Rot kann Chagall auch als Farbe des Blutes für das Opfer verwenden. Im ENGELSTURZ ist der stürzende Engel in einem kalten Rot gemalt.


[42] Siehe die ausführlichere Darstellung von C. Goldmann „Bildzeichen“ Bd. 2 a.a.O. S. 133 f.


[43] Hier und bis zu den Bildern der Offenbarung des Jahwenamens an Mose hebräisch falsch geschrieben. Ab Ex 3,14 schreibt er es richtig.


[44] Der Jahwe-Name kommt nur sehr verborgen in den beiden schwarzen Monden oder Mond und Fisch
vor. (siehe Anmerkung 24)


[45] Die Übersetzung hier und folgend nach Westermann „Genesis-Kommentar“ Bd. 2 a.a.O. S. 549


[46]siehe schon auf dem ersten Bild „Golgotha“, „Weiße Kreuzigung“, „Gelbe Kreuzigung“ u. a.


[47] so C. Goldmann in „Bildzeichen“ Bd. 1 a.a.O. S. 56 : „Oft sind bei Chagall Engel, oder synonym dafür Vögel, Bildzeichen für die Wesen, die zwischen beiden Welten hin und her >gehen< können."


[48]Wir werden darauf noch näher im Bild 12 eingehen.


[49] Wir wollen ja das einmal entdeckte System nicht überstrapazieren, aber es fällt hier auch der nach links verschobene obere Flügel des Jahwe-Engels als „Jod“ y auf, der seine Entsprechung in dem gekreuzten Flügelpaar hat. Dann wäre sogar das Doppeljod yy , neben den beiden Mond/Fisch-Zeichen, in den vier Flügeln mit verarbeitet.


[50] Die Beschäftigung mit den biblisch-religiösen Bildern Chagalls zeigt eine Farblehre auch wenn Goldmann dies bestreitet, wenn er in „Bildzeichen“ a.a.O. Bd 1 S. 59 f schreibt: „Die oft gestellte Frage, ob Chagalls Farben einen Zusammenhang mit konventioneller Farbgestaltungstradition haben, sei es im symbolischen Sinne (etwa mittelalterlicher Observanz oder volkstümlicher Naivität), oder ob sie einer bestimmten Farbenlehre zuzuordnen sind, kann vollständig verneint werden.


Die bisherige Darstellung zeigt immer wieder gleich genutzte symbolische Farbgebungen auf, die so oder ähnlich im Mittelalter genutzt wurden. Goldmann selber erkennt in seinem Artikel über die Farben auf den 17 Bildern für Grün, Rot, (Gold-)Gelb, Blau und Weiß gleichbleibende Sinnzusammenhänge. Er selber verweist auf die Transzendenz des Blau´s und das „en theoo“ im „enthusiasmierten Grün“. Ob sie auf traditioneller russischorthodoxer Farbgebungstradition aufgebaut ist, müsste noch weiter untersucht werden. Auf jedem Fall gilt, dass Chagall frei mit den Farben und Formen umgeht und sich nicht sklavisch an eine einmal gefundene Bildform mit immer derselben Farbgebung halten muss. Damit ändert er aber immer auch ein Stück seiner Aussage des Bildinhaltes. Er nutzt auf jedem Fall eine eigene Farblehre, die natürlich nicht für jeden Farbklecks in einem Blumenstrauß oder in einem Farbraum gilt.


[51] Übersetzung nach Luther


[52] Die hebräische Schreibweise ist hier zu beachten!


[53] Übersetzung der Züricher Bibel


[54] „Mein Leben“ S. 20, zitiert in C. Goldmann „Bildzeichen“ Bd. 2 a.a.O. S. 182


[55] Übersetzung nach „Zürcher Bibel“


[56] Die Uhr wird so auch zu einem Zeichen, dass diese Welt mit ihrer Zeit, mit ihrem Eingeschlossensein in dem Uhrkasten und dem Zifferblatt und die Welt Gottes ohne Zeit im Leuchten des runden Perpendikels symbolisiert. Chagall nimmt diese Uhr oft als Zeichen für das Sein der Ewigkeit in der Zeit.


[57] S. Forestier „Ausstellungskatalog“ Nizza a.a.O. S. 1 "Seit meiner frühesten Jugend bin ich von der Bibel gefesselt gewesen. Es schien mir immer, und es scheint mir immer noch, dass sie seit jeher die größte Quelle aller Poesie ist. Seither versuche ich, diesen Glanz in Leben und Kunst wiederzufinden. Die Bibel ist wie ein Echo der Natur, und dieses Geheimnis habe ich versucht weiterzugeben. Obwohl ich manchmal den Eindruck habe, dass ich ein Anderer bin, dass ich, wie soll man sagen, zwischen Himmel und Erde geboren bin, dass die Welt für mich eine große Wüste ist, in der meine Seele wie ein Irrlicht umherflackert, habe ich meinen Kräften entsprechend im Laufe meines Lebens meine Bilder in Einklang zu diesem fernen Traum gemalt."


[58] aus „Theologische Realenzyklopädie“ Stichwort: „Engel II AT“ a.a.O. S. 583


[59] ebenda


[60] ebenda „Engel II“ S. 585


[61] ebenda „Engel IV“ S. 596


[62] ebenda „Engel IV“ S. 596


[63] ebenda „Engel IV“ S. 598


[64] ebenda „Engel V“ S. 599


[65] ebenda „Engel V“ S. 599


[66] davon werden drei im Kanon selbst genannt: Michael, Gabriel und Raphael


[67] Theologische Realenzyklopädie „Engel V“ a.a.O. S. 600


[68] ebenda „Engel V“ a.a.O. S. 602


[69] ebenda „Engel V“ a.a.O. S. 602


[70] alle Zitate aus „Engel V“ a.a.O. S. 604-605


[71] Bekenntnisschriften: Apologie der Konfession Artikel XXI. Von Anrufen der Heiligen, a.a.O. S. 318 Zeile 13-25
[72] Bekenntnisschriften: Schmalkaldische Artikel II. Teil, a.a.O. S. 421 Zeile 23-25


[73] Bekenntnisschriften: Schmalkaldische Artikel II. Teil, Artikel 4 (Papsttum) a.a.O. S. 431 Zeilen 5-13


[74] E. Schlink „Ökumenische Dogmatik“ a.a.O. S. 180


[75] F. Schleiermacher „Der christliche Glaube“ a.a.O. S. 204


[76] B. Dorst „Engel als Urbilder der Seele“ a.a.O. S. 160


[77] C. Westermann „Gottes Engel brauchen keine Flügel“ a.a.O. S. 7


[78] W. Stählin „Die Engel, Boten Gottes“ a.a.O. S. 5


[79] „Evangelischer Erwachsenenkatechismus“ a.a.O. S. 350 ff


[80] Bekenntnisschriften: Schmalkaldische Artikel II.Teil, Artikel 2 a.a.O. S. 425 Zeilen 1-11

 

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Hans-Joachim Köhler, Oberpfarrer i. R. | hansjoachimkoehler@msn.com