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Gedenkstein für Zella-Mehliser Wiedertäufer[1]

Seit einigen Wochen erinnert ein Gedenkstein an der Kirche Zella St. Blasii an die Wiedertäufer, eine Religionsgruppe, die auch in unserer Region im 16. Jahrhundert verfolgt wurde. Sie verließen 1528 ihre Heimat aus Angst vor einer Verhaftung. Rund 1000 Täufer sind namentlich erfasst, die aufgrund ihres Glaubens ihr Leben ließen. Vermutlich ist die Zahl derer, die heute nicht mehr benannt werden können, noch einmal so hoch.

Dieser Gefahr war sich wohl auch der kleine Kreis Gläubiger bewusst, der in Zella St. Blasii zur Lehre der Täufer übergetreten waren. Bestimmt hat die kleine Glaubensgemeinschaft davon erfahren, dass am 18. Juni 1528 ein Schmied und ein Kirchner aus Mehlis verhaftet wurden. Angesichts dieser Verfolgung der Täufer flohen am 2. September 1528 13 Personen aus acht Zellaer Familien. Ihre Not war so groß, dass sie ihre Kinder zurückließen. Das wissen wir aus Briefen von Hans von Honigen, dem Verwalter des Klosters Reinhardsbrunn, der für die Zelle St. Blasii zuständig war und dem nun sowohl die Versorgung der Kinder als auch die Verfolgung der Geflohenen oblag.

Hans-Joachim Köhler, Oberpfarrer im Ruhestand, hat das recherchiert und im Buch „Zella St. Blasii, Mehlis, Zella-Mehlis. Beiträge zur Geschichte“ zur 900-Jahr- Feier zusammengefasst. Daraus geht auch hervor, dass sechs dieser Täufer die Flucht nicht gelang: Nach 16 Monaten wurden sie gefangen und hingerichtet.

Im Rahmen der Reformationsdekade „Reformation und Toleranz“ hatte der Kirchgemeindeverband Zella-Mehlis/Oberhof Mitte September zu einer Gedenkveranstaltung an die Täuferbewegung und ihre Verfolgung eingeladen. Zu diesem Anlass ist der Gedenkstein aufgestellt worden.

Der Granitstein wurde von einem gebürtigen Zella-Mehliser, von Franz Messer, gestaltet. Der 25-Jährige hat in Köln den Beruf Steinmetz und Steinbildhauer (mit Schwerpunkt Steinbildhauer) erlernt und beginnt in wenigen Wochen sein Studium an der Bildhauerakademie im italienischen Carrara (Toskana), das durch das Vorkommen von weißem Marmor zu einem europäischen Zentrum der Bildhauerkunst geworden ist. „Meine Mutter ist mit dem Pfarrerehepaar befreundet und so ist die Idee dazu entstanden, dass ich diesen Gedenkstein anfertigen durfte“, sagt der junge Mann. Er ist sehr froh, dass in seiner Heimatstadt jetzt etwas steht, dass er geschaffen hat. „Allerdings war das Thema Wiedertäufer komplettes Neuland für mich. Frau Becker und Herr Wucher haben es mir nahegebracht“, erinnert er sich.

Dass die Verfolgung der Wiedertäufer aus Intoleranz erfolgte, war es schließlich, das ihn an dem Thema bewegte. „Auch heute haben wir es noch oft mit Intoleranz zu tun, das ist ein Problem, das mich ohnehin sehr beschäftigt“, sagt er.

Recht schnell hat er sich bei der Gestaltung des Steins für die Form eines Taufbeckens entschieden, doch dieses Taufbecken weist einige Besonderheiten auf. „Den Wiedertäufern aus Zella St. Blasii zum Gedenken“ steht innen am oberen Rand des Beckens, dass von Regenwasser gefüllt wird. In der Mitte auf dem Boden ist ein goldenes Kreuz zu sehen. „Durch das Gold sieht man es am besten. Mir gefällt, welche optischen Effekte sich durch die Brechung des Lichts im Wasser ergeben. Dadurch scheint es fast zu schweben“, sagt Messer. Von einer Seite sieht man noch den ganzen rechteckigen Steinblock (aus Angola-Blue-Granit), aus dem das Becken geschlagen wurde, auf der anderen Seite ist der Stein auch außen so rund, wie das Taufbecken von innen. „Dadurch wirkt der Stein, als sei er nicht ganz fertig. Das passt gut, denn beim Thema Toleranz können wir Menschen ja auch noch nicht ganz zufrieden mit uns sein - auch wenn wir hoffentlich ein Stück weiter sind, als zur Zeit der Wiedertäufer“, begründet Franz Messer diese Gestaltung.

Immer wieder hat er diese Gestaltung des 270 Kilogramm schweren Steins mit den Pfarrern und dem Kirchenrat abgestimmt, schließlich wollte er, dass seine Auftraggeber zufrieden sind. Der Stolz auf das Ergebnis ist ihm anzumerken. „Das ehrt mich schon. Es ist schön, dass ich diese Arbeit leisten durfte, denn für mich ist es schwer, so kreativ zu arbeiten, wie ich möchte. Deshalb habe ich mich jetzt auch für das Studium in Italien entschieden“, sagt er.

 


[1] Aus Stadtanzeiger Zella-Mehlis 22-2013

Foto: Stadtanzeiger Zella-Mehlis

 

Hans-Joachim Köhler, Oberpfarrer i. R. | hansjoachimkoehler@msn.com