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Das Reformationsfest und die 95 Thesen

 

Liebe Netzpilger,

 

Das Reformationsfest am 31. Oktober erinnert uns an ein geistes- und religionsgeschichtlich wichtiges Ereignis, das ein ganzes jahrhundertealtes Zeitalter, das Denken und den Glauben veränderte.
Noch sieben Jahre trennen uns von dem großen Ereignis zum 500jährigen Bestehen der Reformation 1517. Die lutherisch reformierten  Kirchen bereiten sich heute schon mit einer „Lutherdekade“ darauf vor.
Was macht aber für uns Heutige die Reformation so spannend? Oder macht es dies gar nicht?
Wir müssen uns schon ein wenig in die geschichtliche Situation zu Anfang des 16. Jahrhunderts hineinbegeben, wenn wir das reformatorische Geschehen von vor 500 Jahren heute noch verstehen wollen.
Ausgangsgedanke war ja bekanntlich der Streit um die 95 Ablassthesen Martin Luthers, die er am 31. Oktober 1517 möglicherweise an die Tür der Schlosskirche, oder wie es neuere Forschungen ergeben, an die Kirchentüren Wittenbergs schlug. Nachweislich schickte er sie an Freunde, Bekannte und an seinen zuständigen Bischof  Albrecht von Brandenburg in Mainz.
Die wichtigsten Thesen für Martin Luther waren die ersten 40 Thesen über die theologische Bedeutung und Ablehnung des Ablasses. Dies war seine Disputationsgrundlage, mit der er in lateinischer Sprache eine gelehrte Disputation, also eine Diskussion,  wie sei damals üblich war, anregen wollte. Dies allein hätte aber noch nicht zu solch einer schnellen Ausbreitung in alle Bevölkerungsschichten geführt, wenn er nicht aus diesen theologischen Fragestellungen praktische Konsequenzen gefordert hätte.
So stellt er in der 41. These fest:
41. Nur mit Vorsicht darf der apostolische Ablass gepredigt werden, damit das Volk nicht fälschlicherweise meint, er sei anderen guten Werken der Liebe vorzuziehen. ...
Ab These 42 setzt er diese theologische Reflexionen in praktische Anordnungen um und führt sie mit folgendem Satz ein: "Man soll die Christen lehren". Diese praktischen Anwendungen gaben wohl mit den Ausschlag, dass dieser akademisch-theologische Diskussionsvorschlag eine schon gärende Reformation der Kirche und eine "frühbürgerliche Revolution" (marxistischer Begriff für den Bauernaufstand) hervorrief.
Hier noch einmal ein kleiner Auszug aus den Thesen:
42. Man soll die Christen lehren:

Die Meinung des Papstes ist es nicht, dass der Erwerb von Ablass in irgendeiner Weise mit Werken der Barmherzigkeit zu vergleichen sei.
43. Man soll den Christen lehren:

Dem Armen zu geben oder dem Bedürftigen zu leihen ist besser, als Ablass zu kaufen. 
44. Denn durch ein Werk der Liebe wächst die Liebe und wird der Mensch besser, aber durch Ablass wird er nicht besser, sondern nur teilweise von der Strafe befreit.
Sieht man nun diese und die folgenden Thesen an, dann spürt man, wie brisant und sozialkritisch diese theologische Diskussionsvorlage war. Dies haben dann auch alle einfachen Bevölkerungsschichten verstanden, als die lateinisch formulierten Thesen in die deutsche Sprache übersetzt wurden. Lesen wir die nächsten Thesen:
45. Man soll die Christen lehren:
Wer einen Bedürftigen sieht, ihn übergeht und statt dessen für den Ablass gibt, kauft nicht den Ablass des Papstes, sondern handelt sich den Zorn Gottes ein.
46. Man soll die Christen lehren:
Die, die nicht im Überfluss leben, sollen das Lebensnotwendige für ihr Hauswesen behalten und keinesfalls für den Ablass verschwenden
.
So wandelte sich die allgemeine vorhandene Kritik an den staatlichen und kirchlichen Verhältnissen am Ende des Mittelalters in eine Um- und Neuformung von Staat und Kirche.
Vieles hat sich seit dieser Zeit geändert, die evangelische- und katholische Kirche auch. Heute kommt es nun darauf an das Gemeinsame des Glaubens beider Konfessionen zu suchen und so viel wie nur möglich gemeinsam zu gestalten. Dann wird auch im Laufe der Zeiten die Trennung überwunden werden. Der Glaube hat seine Brisanz behalten, damals, vor 20 Jahren und er wird auch heute und weiterhin das Leben der Menschen verändern und begleiten.
 

  Zella-Mehlis, den 29.Oktober 2010

 

 

 

 

Die Thesentür an der Schlosskirche in Wittenberg

 

Foto: Hans-Joachim Köhler 2009

 

 

 

Martin

 

95 Sätze
Schriebst Du
Um zu befragen
Was Dich umtrieb

 

Du ahntest nicht
Dass mit der Mitte
der Thesen
Er Dir

die Intuition gab

 

Das Alte
Mit dem Ältesten
Dem Neuen
Zuzuführen

 

 

© by hansjoachimkoehler@msn.com April 2010

 

 

 

 

 

 

 

Einen gesegneten Herbst wünscht Ihnen

 

Ihr 

 

Hans-Joachim Köhler

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Hans-Joachim Köhler, Oberpfarrer i. R. | hansjoachimkoehler@msn.com