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Marc Chagall, Dorfmadonna, Detail

 

Link zum ganzen Bild:

 

 

Jahreslosung für 2016

 

     Jesaja 66, 13

     Gott spricht:

Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.

 

Liebe Freunde und Netzpilger!

 

   Die Herrenhuter Kirche lost für jedes Kalenderjahr einen Satz aus der Bibel aus. Die Evangelischen Kirchen schließen sich dieser Jahreslosungen an. Sie nehme ich jedes Jahr auch für meine Meditationen zum neuen Jahr.

In diesem Jahr fand ich als Ergänzung zum Text der Jahreslosung obiges Bild von Marc Chagall besonders wertvoll. Da ich 1996 über Marc Chagall eine Arbeit geschrieben habe, nehme ich daraus kurze Auszüge als Bilderläuterungen.

 

Der gesamte Aufsatz ist unter     

               

http://www.pilgernetz.com/marc-chagall.html

 

zu finden. Die Bilder konnte ich leider aus rechtlichen Gründen nicht mit ins Internet laden. Sie müssen in der einschlägigen Literatur oder im Internet angeschaut werden.

HJK

Auszug aus Hans-Joachim Köhler:

 

Die Darstellung der Engel in den
biblisch religiösen Bildern Marc Chagalls in der
Beziehung zur protestantischen Angelologie. 1996

...

 

Marc Chagalls Malen gegen das Gebot „Du sollst dir kein Bild machen“
   Die jüdisch-chassidische Denkweise (Marc Chagalls) hat in der Entwicklung der jüdischen Malweise aber auch eine besondere Form der Malerei hervorgebracht. Bekanntlich besteht im ursprünglichen 2. Gebot (siehe Ex 20,4; Dtn 5,8) "Du sollst dir kein plastisches Bild machen, und zwar irgend ein Abbild von etwas, was droben im Himmel oder was drunten auf der Erde oder was im Wasser unter der Erde ist".
   Das führte im Judentum soweit, dass man sich auch kein Bild von dem Geschöpf Gottes, dem Menschen, machen sollte. Dies spielt in der Entwicklung der Malweise Chagalls (und seiner jüdischen Malerkollegen) eine besondere Rolle, da er sich ja über dieses Gebot hinwegsetzen musste, um seine Neigung zum Malen nicht zu verdrängen. Er wich, wie die jüdischen Maler vor ihm, auf den zeichenhaft-formalen Ausdruck der Malerei aus.
   So spielt in seiner Malerei nicht das möglichst naturgetreue Abbilden der Umwelt eine Rolle, sondern viel stärker das Umsetzen der Umwelt in Zeichen und Symbole.
   Nach Ex 36,8 ; 37, 7-9 Par. Ex 25, 18-20 galt dieses Verbot allerdings nicht für die Darstellung von Kerubim, denn sie sollen ausdrücklich auf dem Gnadenthron gestaltet werden.
   Nun geht Chagall aber über das formale Malen der jüdischen Maler vor ihm hinaus. Er sucht neue Techniken, Inhalte, Aufbauten, Ausdrucksweisen und Zeichen für seine Bilder.



Psychotherapie
   Die Psychotherapie erfährt in ihrer Praxis die Engel als „Archetyp“ des menschlichen Seins.

Brigitte Dorst schreibt:                                                  (B. Dorst „Engel als Urbilder der Seele“ a.a.O. S. 160)
„Der Engel ist tiefenpsychologisch gesprochen, ein archetypisches Bild, ein Urbild, das etwas symbolisiert und transzendiert, was nicht gegenständlich und kausal faßbar ist.
   Etwas bewegt und berührt uns in den Tiefenschichten der Seele, lässt Emotionen (Bewegendes) ins Bewußtsein treten. In der ersten Duineser Elegie klagt R. M. Rilke: ´Wer, wenn ich schrie, hörte mich denn aus der Engel Ordnungen? Und gesetzt selbst, es nähme einer mich plötzlich ans Herz: Ich verginge von seinem stärkeren Dasein ... Ein jeder Engel ist schrecklich.´
   Aber die Engel wecken nicht nur Schrecken, sondern auch Gefühle von Tröstung, sind mit Erfahrungen von Beistand und Hilfe assoziiert.


Schlussbetrachtungen
   In den Bildern der Message Biblique Marc Chagall spielen geflügelte Wesen eine besondere Rolle.
   Aber auch darüber hinaus schweben in den Bildern Marc Chagalls Menschen, Tiere und Gegenstände in den Lüften, im Wasser aber auch auf der Erde. Marc Chagall nimmt diese Zeichen, um damit eine besondere Wirklichkeit darzustellen, die Seele des Menschen oder seine religiös-seelischen Zustände. Man kann in seinen Bildern die Wechselbeziehung zwischen Jahwe und einem Engel feststellen. So wie in den Berichten der Bibel nicht eindeutig feststeht, ob nun Jahwe selber oder einer seiner Boten gemeint ist, so lässt auch Chagall diese Frage offen und nutzt sie für seine Vieldeutigkeit der Figuren, Farben und Formen.

   Allerdings kann man feststellen, dass Chagall bei den religiös-biblischen Bildern immer eine gleiche Farbsymbolik verwendet. Diese Farbsymbolik ist aus den Farben, die in der Bibel z.B. beim Bau der Stiftshütte genannt werden, entstanden.


   Bei den Bildern der MESSAGE BIBLIQUE MARC CHAGALL und darüber hinaus kann er mit diesen Figuren, Farben und Formen als Zeichen religiöse Dimensionen des Menschen oder der gesamten Menschheit darstellen, die eine rein naturalistische Sichtweise des Menschen erheblich erweitert.
   Chagall stellt Engel als Durchdringer der Transzendenz Gottes, als Boten, von Jahwe gesandt oder als Offenbahrung Jahwes selbst, nie aber in einer eigenständigen Funktion und Aufgabe dar. Nie werden sie in den Bildern Chagalls angebetet oder gar als Götter verehrt. Damit ist Chagall in seinen Darstellungen der Engel sehr nah an der Forderung der protestantischen Reformatoren in den Schmalkaldischen Artikeln: „Und wiewohl die Engel im Himmel fur uns bitten (wie Christus selber auch tut), also auch die Heiligen auf Erden oder vielleicht auch im Himmel, so folget daraus nicht, dass wir die Engel und Heiligen anrüfen, anbeten, ihnen fasten, feiern, Messe halten, opfern, Kirchen, Altar, Gottesdienst stiften und anderweise mehr dienen und sie fur Nothelfer halten und allerlei Hülfe unter sie teilen und iglichem ein sonderliche zueigen sollten, wie die Papisten lehren und tun; denn das ist Abgötterei, und solche Ehre gehöret Gott alleine zu...“ (Bekenntnisschriften: Schmalkaldische Artikel II. Teil, Artikel 2 a.a.O. S. 425 Zeilen 1-11)
   Chagall sieht die Engel, wie die Reformatoren, als eine spirituelle Erscheinung, die ihre Bezeugung in der Heiligen Schrift hat und die im spirituellem Erleben erfahrbar werden.
 

   Aber trotz jüdisch-chassidischer Prägung vieler seiner Bildzeichen lässt Chagall in der Engel-Darstellung seiner Bilder keine frühjüdische- oder mittelalterliche christliche Mystik erkennen, ie eine ausgefeilte Angelologie seit Dionysios Areopagita entworfen hat.

    Man kann seine Engeldarstellungen und die Darstellungen der transzendentalen Durchdringungen als eine „Neue Mystik“ verstehen, die aber stark an die biblischen Inhalte gebunden ist, wenn er sie auch frei, intuitiv und in einer Gesamtschau der biblischen Botschaft verwendet.

   Diese religiös-innerpsychische Schau lässt tiefere Schichten unseres Menschseins anklingen. Sie zeigt Zeichen spirituellem Erlebens, die auch der heutige Mensch in seiner rationalen Umwelt sucht.

   So ist es zu erklären, dass biblisch-religiöse Bilder Chagalls und eine Engeldarstellung DER SCHÜTZENDE ENGEL im neuen evangelischen Gesangbuch zur Meditation anregen.

 

Hans-Joachim Köhler (Auszüge)

 

Hans-Joachim Köhler, Oberpfarrer i. R. | hansjoachimkoehler@msn.com