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Liedpredigt zu EG 101 „Christ lag in Todesbanden“

anlässlich des Gottesdienstes  zu Quasimodogeniti  (23.4.2017)

in der Magdalenenkirche /Mehlis am (“)

Predigerin : Superintendentin Beate Marwede

 

(Kanzelgruß)

 

Liebe Gemeinde,

 

Menschen möchten etwas zu sehen bekommen – wenn sie glauben und verstehen sollen.

Thomas kann ich gut verstehen, wenn er sagt: „ Zeigt mir die Hände Jesu, ich will die Nagelmale sehen und berühren, dann kann ich glauben.

Der Mensch möchte etwas sehen : In früheren Zeiten gab es deshalb Osterspiele – die Auferstehung Jesu wurde in Bilder gesetzt und vorgespielt; mitunter derb, es gab richtiges Straßentheater mit Musik, Kabarett, Kunststücken,  Ostergelächter und Applaus-  der Versuch, das Geheimnis der Auferstehung den Menschen nahe zu bringen. Die  Zuschauer  wurden mit einbezogen, sangen mit und  stimmten am Ende ein in „Christ ist erstanden“.

Martin Luther schätzte diese Osterspiele:  „Es gefällt mir gut, wenn man die Ostergeschichte den Einfältigen vormalet, vorspielet, singet und saget, und man soll es auch dabei bleiben lassen“, so sagte er es in einer Predigt.

Beim Lied „ Christ lag in Todes Banden“  hatte Martin Luther 1524 vermutlich  ein Osterspiel vor Augen – schreibt Strophen zu Bildern und Szenen. Die Melodie ist  ähnlich wie „Christ ist erstanden“ (EG 99). Er selbst nennt das Stück „Christ ist erstanden- gebessert“ und meint:  vertieft, ausführlich behandelt.  Lassen wir uns hineinnehmen in die Bilderwelt dieses Liedes.

 

Wir singen zunächst die Strophen 1 – 3:

 

1)  Christ lag in Todesbanden,

 für unsre Sünd gegeben,

 der ist wieder erstanden

 und hat uns bracht das Leben.

 Des wir sollen fröhlich sein,

 Gott loben und dankbar sein

 und singen Halleluja.

 Halleluja.

 

2)  Den Tod niemand zwingen konnt

 bei allen Menschenkindern;

 das macht alles unsre Sünd,

 kein Unschuld war zu finden.

 Davon kam der Tod so bald

 und nahm über uns Gewalt,

 hielt uns in seim Reich gefangen.

 Halleluja.

 

3)  Jesus Christus, Gottes Sohn,

 an unser Statt ist kommen

 und hat die Sünd abgetan,

 damit dem Tod genommen

 all sein Recht und sein Gewalt;

 da bleibt nichts denn Tods Gestalt,

 den Stachel hat er verloren.

 Halleluja.

 

Liebe Gemeinde,

 

bei den Osterspielen tritt zunächst ein Ansager auf, bittet um Ruhe  und kündigt das Stück an.

Eine solche Ansage ist uns vom Innsbrucker  Osterspiel von 1351 überliefert.  Das stammt übrigens aus der Grafschaft Henneberg, denn das Deutsch, in dem es geschrieben ist, weist auf unsere Gegend hin.  Innsbrucker Osterspiel heißt es nur, weil die Handschrift dort in der Universitätsbibliothek  aufbewahrt ist).  Der Ansager sagt:

„Vernehmet es alle gleich, Jung und Alt, Arm und Reich.

Schweiget und setzt euch, nieder zu Erden,

Wir wollen  euch kund werden lassen,  

wie unser Herr ist erstanden

von den bitteren Todes Banden,

 allem menschlichen  Geschlechte zum Trost.

 Wie die Auferstehung ist geschehen,

das sollt ihr alle voll Freude sehen. 

Die ihr nun hier versammelt seid,

freut euch in dieser Zeit. 

Die heut mit Gott auferstehen,

 die werden frei von Sünden ins Leben gehen.

Damit euch das alles geschehe,

ein jeder nun höre und sehe.“

 

Ganz ähnlich haben wir es in der 1. Strophe des Osterliedes von Martin Luther gesungen.

Die 2. Strophe malt den Totentanz – eine lange Kette von Menschen: alt und jung, arm und reich, Mann und Frau, Handwerker, Bauer, Gelehrter, Fürst.

Sicher ist der Tod – er hält Menschen in Bann, keiner kann fliehen. Er versetzt uns in Angst und Schrecken.  Luther sagt mit  Paulus:“ Der Tod ist der Sünde Sold „ (Röm 6)  Mit Sünde  meint er den  Zustand des Menschen gesondert von Gott. Sünde kommt von „sund“, heißt also „gesondert, getrennt“ von Gott. Es hat weniger mit den einzelnen bösen Taten zu tun als mit dem Dasein des Menschen vor Christus: Er lebt getrennt von Gott und das  ist gleichbedeutend mit  dem Tod. Diesem  Zustand – das zeigt der Totentanz – kann sich keiner entziehen.

 

In der 3. Strophe - in einem weiteren Bild - reiht Christus sich in den Totentanz ein.

Er ist wie wir, er lebt unser Leben, stirbt unseren Tod am Kreuz – aber: Er ist noch immer bei Gott – nicht getrennt, nicht gesondert von ihm: ohne Sünde ist .

 An Gottes Sohn zerbricht die Macht des Todes. Der Tod wird entzaubert, Stachel  ist ihm genommen.

Weil das so  dramatisch ist, muss es nochmal deutlich gezeigt werden, mit Kriegs- und Kampfesgetümmel.

Wir hören, wie  das als Choralbegleitung von Johann Sebastian Bach klingt und lesen dabei  den Text der 4.Strophe.

 

4) Es war ein wunderlich Krieg,
da Tod und Leben ’rungen;
das Leben behielt den Sieg,
es hat den Tod verschlungen.
Die Schrift hat verkündet das,
wie ein Tod den andern fraß,
ein Spott aus dem Tod ist worden.
Halleluja.

 

Strophe 4: Orgelchoral von  Joh. Seb. Bach BWV 625

 

 

„Mors et vita duello

conflixere mirando“

– so heißt es in der Vorlage von Wipo von Burgund für  das Lutherlied  „Christ lag in Todesbanden“ :„Mors et vita duello

conflixere mirando“

 

Dazu muss man nicht  Latein können, um es  zu verstehen:  Das Duell vom Leben gegen den Tod, von Christus gegen den Herrn des Todes.

Wir haben es an der Orgel gehört, auf der Bühne der Orgelspiele  wird man Ringkampf-Szenen gesehen haben. Da ging es dann richtig zur Sache: angefeuert von den Zuschauern siegt das Leben, siegt Christus. 

Luther beschreibt es in Strophe vier so: Christus stirbt am Kreuz von Golgatha, der Tod will ihn wie ein Drache verschlingen. Aber er hat sich getäuscht, den Rachen zu voll genommen. Er hat sich am Herrn des Lebens vergriffen, den kann er nicht im Totenreich halten. Er muss Christus ausspucken, wie einst der Fisch Jona an Land spuckte.

Und nun geht es andersrum: Das Leben verschlingt den Tod. Mit dem Tod Jesu wird der ewige Tod verschlungen.

 So chaotisch es  in der Welt zugeht,  so viele noch sterben durch Krieg und Gewalt, durch Hunger, weil sie alt krank sind: Dem ewigen Tod,  der alles zu nicht macht, der  das Leben entwertet,  – dem reißt Christus den Stachel weg. Deswegen singen wir  Ostern so vollmundig  und voller Übermut:  „Tod, wo  ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg?“

Das Geschehen bleibt ein  Geheimnis: „Selig, wer nicht sieht und doch glaubt“.

 

Wir singen die Verse 5 – 7

 

5)  Hier ist das recht Osterlamm,

 davon wir sollen leben,

 das ist an des Kreuzes Stamm

 in heißer Lieb gegeben.

 Des Blut zeichnet unsre Tür,

 das hält der Glaub dem Tod für,

 der Würger kann uns nicht rühren.

 Halleluja.

 

6)  So feiern wir das hoh Fest

 mit Herzensfreud und Wonne,

 das uns der Herr scheinen lässt.

 Er ist selber die Sonne,

 der durch seiner Gnaden Glanz

 erleucht’ unsre Herzen ganz;

 der Sünden Nacht ist vergangen.

 Halleluja.

 

7)  Wir essen und leben wohl,

 zum süßen Brot geladen;

 der alte Sau’rteig nicht soll

 sein bei dem Wort der Gnaden.

 Christus will die Kost uns sein

 und speisen die Seel allein;

 der Glaub will keins andern leben.

 Halleluja.

 

Ostern hat Folgen, liebe Gemeinde,

Christus, der sich aus Liebe hingibt, befreit uns aus aller Knechtschaft.

Luther erinnert in Strophe 5  an den Auszug  der Israeliten aus Ägypten, aus dem Haus der Knechtschaft.  Als Gott die schlimmste Plage über die Ägypter und den Pharao schickt, nämlich den Tod aller Erstgeburt, bleiben die Israeliten verschont. Sie hatten, wie es ihn aufgetragen war, die Türpfosten ihrer Häuser mit dem Blut der geschlachteten Lämmer bestrichen und so ging der Todesengel an ihren Häusern vorüber. 

Von Christus gezeichnet, mit ihm verbunden,  verlieren alle Machthaber dieser Welt – auch der Tod – ihren Schrecken. Was Ostern bedeutet, malt Luther mit den Befreiungs- Bildern des Gottesvolkes aus. Ostern befreit von aller Knechtschaft, auch vom Tod.

Luther bleibt beim Passah, beim Fest der Befreiung: Wir sollen das süße Brot  sehen und schmecken, das süße Brot der Gnade.

So wie die Osterspiele mit einem Festgelage endeten – „Essen und Trinken satt“ nach der Zeit des Fastens und der Entbehrung, so  schenkt der Auferstandene sich uns.

Luther ist ganz nun  bei dem, was er  in der Schrift neu erkannt hat:

Allein aus Gnade  schenkt Christus sich.

Christus allein ist es, der selig macht: Die Sonne der Gnade, das Brot des Lebens.

 Im Glauben allein können wir es fassen.

 

„Selig, wer nicht sieht und doch glaubt.“

 

Amen.

 

  

Hans-Joachim Köhler, Oberpfarrer i. R. | hansjoachimkoehler@msn.com