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Die Versöhnung mit den Täufern auf der Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes 2010 in Stuttgart

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

 

1. Teil: Zugang: Die Täufer oder wie wir aus der Kirchengeschichte den Wortgebrauch kennen,

die Wiedertäufer, oder Anabaptisten das war für mich wir für viele andere meiner Konfession eine akademische Frage.

Das hatte man in der Kirchengenschichte gelernt, oder im Geschichtsunterricht;

das war zu Zeiten der Reformation und der Reformatoren der Dissens und die Abgrenzung von den Christen der Reformation,

die die Kindertaufe ablehnten und in Fragen der Obrigkeit und des Staates eine andere, gewaltfreie Position einnahmen.

Freilich wusste ich schon, dass es heute noch Kirchen und kirchliche Gemeinschaften gibt, die keine Kinder taufen,

aber einen direkten Zusammenhang mit der Täuferbewegung des 16. Jahrhunderts habe ich, wie viele andere, nicht hergestellt.

Das war, wenn auch unrühmlich, Vergangenheit.

Das erste Mal, dass ich mit dem Thema in neuester Zeit in Berührung kam, war in Straßburg im Ökumenischen Institut des Lutherischen Weltbundes,

während eines Konventes mit Superintendenten. Professor Theodor Dieter, der Leiter dieses Instituts und Systematiker in Sachen Ökumene,

stellte uns seine Arbeit vor und das war damals vor allem der Dialog des LWB mit der Mennonitischen Weltkonferenz.

Ausgangspunkt für den Dialog zwischen Mennoniten und Lutheranern in Deutschland war 1980 das Jubiläum der Confessio Augustana in Augsburg,

an welchem ein mennonitischer Vertreter  teilnahm und auf die Trennungen hinwies,

die zwischen Ev. Kirchen und Mennoniten bestehen und sich eine Veränderung wünschte,

Und 1988 wurden schließlich Kontaktgespräche zwischen Mennoniten und Lutheranern in Deutschland vereinbart,

die das Verstehen verbessern und die Praxis rücksichtsvoller gestalten und die Verwerfungen überprüfen sollte.

Das hat auch Ergebnisse gebracht. Mittlerweile haben wir an vielen Stellen Gemeinschaft mit den Mennoniten in Deutschland mit denen,

die der Arbeitsgemeinschaft mennonitischer Gemeinden angehören.                                                                 

 

International wurde eine Studienkommission aus LWB und Mennonitischer Weltkonferenz gebildet, die viele Jahre an dem Thema arbeitete,

ob Versöhnung zwischen Mennoniten und Lutheranern möglich ist, gerade weil es so viele Verwerfungen,

bis hin zu Todesvollstreckungen in der Täuferbewegung in den Jahrhunderten gegeben hat.

Es gibt verschiedene Zahlen der Opfer der Verfolgungen: Ich habe eine Zahl gefunden, dass von 1525-1550 mindestens 1000 Täufer hingerichtet wurden,;

eine andere Zahl sagt 2-300, doch die Zahlen sind vermutlich höher und man muss auch die mit einberechnen,

die in den kommenden Jahrhunderten ihr Leben für ihren Glauben gelassen haben.

Aus dem Abschlussdokument der Studienkommission: „Die Trennung der Wege von Lutheranern und Täufern/Mennoniten hat eine besonders schmerzvolle Geschichte.

Für ein halbes Jahrtausend waren wir nicht nur durch theologische Meinungsverschiedenheiten aus dem 16. Jahrhundert getrennt, sondern auch durch das Erbe der Gewalt.

Auf lutherischer Seite hat es sowohl Verfolgung wie theologische Rechtfertigung für diese gewaltsamen Aktionen gegeben,

Während die Täufer diese Verfolgung nicht erwiderten, haben auch sie Lasten aus jener Zeit in ihren Erinnerungen an das, was sie erlitten haben, getragen.

In den vergangenen Jahren ist klar geworden, dass die Zeit gekommen ist für Initiativen zur Versöhnung. Die kommenden 500 Jahrfeiern der Reformation weckten Anstrengungen,

sich mit diesen Wunden, die aus jener Zeit geblieben sind, zu beschäftigen. Es war dann in einem Geist der Hoffnung,

dass unsere beiden Weltbünde im Jahr 2002 die Internationale Lutherisch-Mennonitische Studienkommission einrichteten“.                                                                                

 

Von 2002 bis 2009 wurde an den verschiedenen Themen gearbeitet und ein Studiendokument verabschiedet, das dem LWB vorgelegt wurde:

„Heilung der Erinnerung -Versöhnung in Christus“ Bericht der Internationalen lutherisch-mennonitischen Studienkommission.

 

Einfügung: Mennoniten:

Mennoniten sind eine evangelische Freikirche, die auf dieTäuferbewegungen der Reformationszeit zurückgeht.

Der Name leitet sich von dem aus Friesland stammenden Theologen Menno Simons (1496–1561) ab.

Als Täufer sind die Mennoniten geschichtlich eng mit den Hutterern und Amischen verbunden.

Verfolgungen und rechtliche Beschränkungen in Europa führten vor allem zwischen etwa 1715 und 1815 zur Auswanderung von Mennoniten

und anderen Täufern nach Osteuropa und Nordamerika. Trotz der Verfolgungen hat sich die Freikirche durchgehend in Mitteleuropa halten können.

Heute sind die Mennoniten weltweit verbreitet. Heute in Deutschland etwa 40 000 Mennoniten, 5000, die in der Arbeitsgemeinschaft mennonitischer Gemeinden zusammengeschlossen sind.

 

Ein beindruckendes Dokument der Studienkommission und eine hoffnungsvolle Entwicklung,

so habe ich das in Straßburg wahrgenommen. Aber immer noch war das sehr theoretisch, wie das Dokumente so an sich haben,

bis zur Vollversammlung des LWB in Stuttgart und dem eindrucksvollen Versöhnungsakt und dem Bußgottesdienst.

 

 

2. Teil: Hautnahe Begegnung, die mich dann auch nicht mehr losgelassen hat:

Im Gottesdienst in Stuttgart wurden Märtyrer genannt:                                                                                                 

 

1. Dirk Willems aus den Niederlanden, der 1569, aus dem Gefängnis geflohen ist und seinen Verfolger im Eis einbrechen sieht.

Er dreht um und rettet ihn und bezahlt das mit seinem Leben.

Und dann die für mich so wichtig gewordene: Barbara Unger. So wurde von ihr erzählt:

„Sie war eine junge Mutter von vier Kindern. Gemeinsam mit anderen hatte sie sich 1529 taufen lassen.

Es war ihr Ja zur Nachfolge Jesu und ihr Ja, mit Brüdern und Schwestern erkennbare Gemeinschaft zu leben.

So wollte sie Gemeinde sein, die den Leib Christi verkörpert – in dem auch Gerechtigkeit, Gewaltfreiheit und Feindesliebe im täglichen Leben praktisch werden.

Sie und die anderen Täuflinge waren vorbereitet auf das, was kommen könnte:

‚Wer ein rechter Christ sein wolle, müsse alles verlassen, was er habe, und Verfolgung leiden bis in den Tod‘ waren sie gewarnt worden. 

Nein, Martyrium wurde weder gesucht noch verherrlicht. Er wurde nur erlebt und akzeptiert als unvermeidliche Folge ihres Zeugnisses.

Barbara Unger, kaum 18 Monate nach ihrer Taufe, mit anderen in Reinhardsbrunn in Thüringen am 18 Januar 1530 hingerichtet“.

Mit einem Mal hatte sich mein Blickwinkel geändert. Es ging nicht um Dokumente und theologische Einsichten oder Kontroversen, es ging um Menschen mit Namen und Lebensgeschichte.

Wer war Barbara Unger? In Reinhardsbrunn hingerichtet. Wer könnte davon noch was wissen? Ich rufe in Friedrichroda an im Pfarramt, ob dort bekannt ist,

dass da Hinrichtungen stattgefunden haben. Dort weiß man nichts,  so wie von den vielen anderen auch, deren Namen vergessen sind. Was tun? Ich rufe bei den Mennoniten an,

bei Frieder Boller dem damaligen Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Mennonitischer Gemeinden in Deutschland, der hatte den Namen von Barbara Unger in den Gottesdienst eingebracht.

Er schickt mir einen Auszug aus dem Mennonitischen Lexikon:                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                          „Barbara "Unger, thüringische Täufermärtyrerin, wahrscheinlich aus Zella St. Blasii stammend lag 1529 mit 10 weiteren Gesinnungsgenossen in Gotha gefangen,

wurde mit diesen nach Belehrung und Widerruf freigelassen und nach ihrem Rückfall sofort wieder verhaftet,

am 10. Januar in Reinhardsbrunn eingehend verhört und 8 Tage später am 18. Januar mit den Standhaften unter ihnen hingerichtet.“                                                                                                    

 

Zella, St Blasii, das war doch ganz in meiner Nähe und gehörte zu meinem Dienst- und Verantwortungsbereich. Gibt es da Quellen?

Da hat Pfarrer Köhler unendliches geleistet und die Spurensuche aufgenommen, wofür ich ihm heute nochmals herzlich danken möchte.

Da steckt viel Zeit drin und viel Herzblut.

Der Ort der Geschehens Reinharsbrunn war eine ehemalige Benediktinerabtei und später herzoglich Gothaisches Jagdschloss.

Es hat seine dunkle Vergangenheit, die bis heute dunkel ist. Die Gefangenen wurden von Friedrich Mykonius,

Superintendent von Gotha verhört, der sie bewegen wollte, diese Taufe zurückzunehmen. Nur drei haben widerrufen,

sechs wurden hingerichtet: Andreas und Katharina Kolb, Christoph Ortlepp, Katharina König , Elsa Kuntz

Und Barbara Unger. Es gibt über diesen Prozess Aufzeichnungen in der Schrift von Justus Menius,

der der Reformator Thüringens genannt wird in seiner Schrift: „der Widertäufer Lehr und Geheimnis aus der hl. Schrift widerlegt“.

Barbara Unger war von Mykonius verhört worden, hatte widerrufen, war aber dann doch zurückgekommen zu ihrem Glaubensverständnis und hatte das auch praktiziert.

Sie hatte ihr Haus einem Prediger aus Passau zur Verfügung gestellt, Georg Nespitzer oder der Jorge aus Passau:

„sie hatte an Jorges Bußpredigt teilgenommen heißt es im mennonitischen. Lexikon. Justus Menius drückt es so lapidar und zynisch aus:

‚Barbara Unger wollte dagegen bei ihrer Widertauf und angenommenen Lehr bleiben und ist also mit den anderen hingefahren‘.                                                  

 

1529 hatte der Reichstag zu Speyer das Widertäufermandat verabschiedet, das eine gesetzliche Handhabe gegen die Täufer beschloss:

„Dass alle und jede Widertäufer und Widergetaufte, Mann und Weibs-Personen verständigs Alters vom natürlichen Leben zum Tod mit Feuer, Schwerdt oder dergleichen,

nach Gelegenheit der Personen ohn vorhergehend der geistlichen Richter Inquisition, gerichtet und gebracht werden“.

Die Strafe sollte also unabhängig von Verhandlungen vor einem Inquisitionsgericht vollzogen werden.

Der Reichstag von Speyer 1529, der nochmal ein eigenes Thema wäre, hat zwei ganz unterschiedliche Pole.

Einmal führte er zur Protestation der evangelischen Fürsten und Reichstände, die den Reichstag unter Protest verließen,

weil König Ferdinand, Bruder und Stellvertreter von Kaiser Karl V. das ruhende Wormser Edikt, Luthers Ächtung und Gebot,

seine Schriften und andere ähnliche zu vernichten und gegen die neue Lehre mit Staatsgewalt vorzugehen, wieder auf die Tagesordnung bringen und abzustimmen gedachte. 

Dazu kam es dann nicht. Seitdem sind es die Protestanden. Grund:

Der Kaiser hatte mit dem Krieg mit den Franzosen zu tun und mit den Einfällen der Türken in das Heiligen Römischen Reich,

ziemlich erfolgreich unter Sultan Süleiman dem Prächtigen, Da brauchte man alle Fürsten und Kurfürsten und man ließ die Sache ruhen.  

Und der andere Pol: Auf demselben Reichstag wurde dieses Widertäufermandat verabschiedet, das alle anwandten ob katholisch oder lutherisch oder reformiert.

Also Freiheit für die einen, die ihre Position erstritten und Tod für die anderen.

 

3. Die Reformatoren und ihr Handeln an den Täufern                                                        

In einem Gutachten der Wittenberger Theologen im Mai 1536 vom Landgrafen Philipp von Hessen erbeten,

wie mit außer Landes zurückgewiesenen Täufern, die gegen ihren Eid heimlich zurückkehrten und ihre Agitationen fortsetzten,

zu verfahren sei: traten sie für eine strenge Verfahrenspraxis ein, Unbelehrbare, die die Chance der täuferischen Irrlehre zu entsagen, ungenutzt ließen,

seien zu bestrafen. Da die das „eusserliche leiblich Regiment“ betreffenden Lehren der Täufer auf eine Zerstörung der bestehenden Ordnung hinausliefen, sei die weltliche Obrigkeit verpflichtet,

sie als uffrur (Aufrührer) zu bekämpfen. In Bezug auf artickel der Widertäuffer, die geistlichen sachen belangen, also etwa die Tauflehre, Christologie, Erbsündenlehre,

„erleuchtung ausser und wider gottes Wort und absonderung von der Gemeinde“, ergab sich das Handlungsgebot der weltlichen Obrigkeit aus ihrer Verpflichtung,

„öffentliche Gotteslästerung, blasphemia und periuria (Meineid) zu wehren und zu bestrafen.

In Anlehnung an das spätantike römische Kaiserrecht erschien den Wittenbergern die Todesstrafe für die halsstarrigen Wiedertäufer durchausangemessen.

Melanchthon bezieht das auf das Gebot 3. Mose 24,16: Wer Gott lästert, der soll getötet werden.“ Das geht auf einen Brief von Melanchthon von 1531 zurück, der ähnliches aussagt.

Aber nicht alle der Reformatoren und Fürsten vertraten diese extreme Position wie Melanchthon,

Luther oder Justus Menius. Gegen die Tötung der Täufer sprachen sich der Straßburger Reformator Martin Bucer und der schwäbische Reformator Johannes Brenz aus

und der hessischen Landgraf Philipp ließ keinen Täufer hinrichten.                                                        

 

 Das zeigt sich an der Leidensgeschichte des Bauern und Täufers Fritz Erbe (um 1500 in Herda; † 1548 in Eisenach) Fritz Erbe stammte aus Herda bei Gerstungen,

wo er einen Bauernhof besaß. Als Anhänger der Täuferbewegung wurde er erstmals im Oktober 1531 in Hausbreitenbach verhaftet, als er sich weigerte, sein Kind taufen zu lassen. 

In Herda schlossen sich zeitweise mehr als die Hälfte der Einwohner, gerade auch einfache Leute, der Täuferbewegung an. 

Der Superintendent in Eisenach Justus Menius war in dieser Eigenschaft auch für das Dorf Herda und seine glaubensabtrünnigen Bewohner zuständig. 

Er leitete das erste Verfahren gegen Fritz Erbe und andere im Herbst 1531. Ende Januar 1532 wurde Erbe von Landgraf Philipp von Hessen begnadigt, wahrscheinlich weil er widerrufen hatte.     

Nachdem er trotz eines öffentlichen Verbotes der Täuferin Margarethe Koch Unterschlupf gewährte, wurde er im Januar 1533 erneut inhaftiert und nach Eisenach überstellt. 

Kurfürst Johann Friedrich I. forderte die Todesstrafe, aber Landgraf Philipp I. zögerte, jemanden wegen seines Glaubens hinrichten zu lassen.

Ein längerer Briefwechsel beider Herrscher zu diesem Thema folgte, während Fritz Erbe in einem Turm der Eisenacher Stadtmauer – dem Storchenturm – festgehalten wurde.

Zwei seiner Anhänger wurden 1537 hingerichtet, weitere drei wurden 1539 verhaftet.

Um diesen Zustand zu beenden, wurde Erbe 1540 auf die Wartburg gebracht und in das zehn Meter tiefe Verlies des Südturms bei völliger Finsternis und Kälte gesperrt.

Dort versuchte ihn 1541 der Reformator Eberhard von der Tann zu bekehren, indem er ihn für vier Wochen in das Predigerkloster überführen ließ.

Fritz Erbe, inzwischen bei durch die lange Haft angegriffener Gesundheit, hielt an seinem Glauben fest. Er starb 1548 in seinem Gefängnis.

 

4. Der Bericht der Studienkommission                                                                                    

Grundlage für den Versöhnungsakt in Stuttgart 2010 war der Bericht der oben genannten Studienkommission der in seinen Ergebnissen so von der Vollversammlung angenommen wurde:
Inhalt: Ich nenne hier nur den 3 +4. Teil der Studie: Die Verwerfungen heute bedenken: Verwerfungen, die  nicht mehr treffen; gegenwärtige Lehrdifferenzen;

Christen und die weltliche Obrigkeit, Taufe .  4. Teil: Die Vergangenheit erinnern, in Christus Versöhnung finden, die Verwerfungen überwinden.

Erforderlich war eine gründliche Arbeit an folgenden Problemen:

1. Was genau waren die Lehren, die die Lutheraner verurteilten.                

2. Wurden die verurteilten Lehren tatsächlich von täuferischen Gruppen jener Zeit vertreten oder sind die Bezüge auf die Täufer unrichtig? 

3.Gibt es implizite Verwerfungen lutherischer Lehren und Praktiken in täuferischen Schriften.

4. Werden die Lehren, die in den Lutherischen Bekenntnisschriften verworfen werden, auch heute von den Lutheranern verworfen, und muss das so sein? 

5.Was ist die Haltung der Täufer heute hinsichtlich der von den Lutheranern verworfenen Lehren.  6.Was können beide Seiten heute zusammen sagen mit Bezug auf die in Frage stehenden Lehren?                                                                                                                             7.Was genau war die Weise, in der die Verwerfungen oder ihr Missbrauch zu der ungerechten Verfolgung der Täufer beigetragen haben,

Ein Fazit der Internationalen Kommission war die klare Feststellung,

dass die Verwerfungssätze der Augsburger Konfession von 1530 (Bekenntnis vor dem Reichtstag zu Augsburg)

und andere Äußerungen der lutherischen Seite im 16. Jahrhundert als theologische Legitimation der blutigen Verfolgung der Täufer gedient haben.

                                                                                                                           

 

Es konnte aber auch festgestellt werden im 5. Teil: Die Vergangenheit kann nicht geändert werden, aber wir können die Wege, auf denen die Vergangenheit in der Gegenwart erinnert wird, ändern.

Das ist unsere Hoffnung. Versöhnung schaut nicht nur zurück in die Vergangenheit, vielmehr schaut sie auf eine gemeinsame Zukunft.

5. die Verpflichtung: „…Lutheranerinnen und Lutheraner empfinden… tiefen Schmerz und Bedauern über die Verfolgung der Täufer durch die Lutherische Obrigkeit

und besonders darüber, dass lutherische Reformatoren diese Verfolgung theologisch unterstützt haben.

Deshalb will der Rat des LWB im Namen der weltweiten lutherischen Familie öffentlich sein tiefes Bedauern und seine Betrübnis darüber zum Ausdruck zu bringen.                                                                         

 

Im Vertrauen auf Gott, der in Jesus Christus die Welt mit sich versöhnte, bitten wir deshalb Gott und unsere mennonitischen Schwestern und Brüder um Vergebung für das Leiden,

das unsere Vorfahren im 16, Jahrhundert den  Täufern zugefügt haben, für das Vergessen oder Ignorieren dieser Verfolgung in den folgenden Jahrhunderten und für alle unzutreffenden,

irreführenden und verletzenden Darstellungen der Täufer und Mennoniten, die lutherische Autoren und Autorinnen bis heute in wissenschaftlicher oder nichtwissenschaftlicher Form verbreitet haben.                                                                                                                                     Wir bitten Gott, dass er unseren Gemeinschaften Heilung der Erinnerung und Versöhnung schenken möge.                                                                                                                                                                   Wir verpflichten uns:                                                                                                                     -Die lutherischen Bekenntnisschriften im Licht der gemeinsam beschriebenen Geschichte von Lutherandern und Mennoniten zu interpretieren.                                                                         -dafür Sorge zu tragen, dass diese Entscheidung des LWB Einfluss darauf hat, wie die lutherischen Bekenntnisse an den Hochschulen und in anderen Bereichen des kirchlichen Unterrichts gelehrt werden.                                                                                                                   -die Untersuchung von bisher ungelösten Fragen zwischen unseren beiden Traditionen im Geist wechselseitiger Offenheit und Lernbereitschaft fortzuführen, vor allem, was die Taufe und das Verhältnis von Christen und Kirche zum Staat betrifft,                                                                                                                          -den gegenwärtigen Konsens, der in den Erfahrungen unserer Kirchen über Jahrhunderte gewonnen worden ist, zu bekräftigen, dass der Gebrauch der Staatsgewalt zum Ausschließen oder Aufzwingen bestimmter religiöser Überzeugungen zu verwerfen; uns dafür einzusetzen, dass Religions- und Gewissensfreiheit in den politischen Ordnungen und in der Gesellschaft gewahrt und aufrecht erhalten werden (vergl. Dazu auch die Barmer Theologische Erklärung von 1934) .                                                                                                                                                       -unsere Kirchen und vor allem die Ortsgemeinden anzuspornen, Wege zu suchen, um die Beziehungen zu mennonitischen Gemeinden fortzurühren und zu vertiefen durch gemeinsame Gottesdienste und Bibelstunden, durch gemeinsames humanitäres Engagement und durch gemeinsame Arbeit für den Frieden.

 

6. Um letzten Teil;  der Versöhnungsakt, das war ein eindrucksvoller emotionaler Akt, der alle Teilnehmer ganz nahe zueinander brachte,

Menschen umarmten sich und hatten Tränen in den Augen. Es war wie ein Wunder, Die Last von Jahrhunderten schien abgefallen zu sein. Alle fühlten sich erleichtert und auf besondere Weise frei.                                                                    

 

Teil 1 Erinnert gemeinsam die Vergangenheit: Hört auf Erfahrungen von Verfolgung und Leid. Darin kam auch Barbara Unger vor.                                                                                               

Teil 2 Handelt jetzt: Bittet um Vergebung: Bußgebet: Befreie uns von unserm verzerrten Lesen deines Wortes, führe uns zur Umkehr und erneuere unser Denken

…Befreie uns von unserem Hochmut und unserer Herzenshärte, führe uns zur Umkehr und erneuere unseres Herzen…

... Befreie uns von unserem Vertrauen auf Gewalt und führe uns zur Umkehr und lenke unsere Füße auf den Weg des Friedens.

 

 

3. Teil: Stellt euch die Zukunft gemeinsam vor. Lasst eure Füße auf den Weg des Friedens lenken.

Fazit: Versöhnung kann man nicht befehlen, sie muss geschehen, muss sich ereignen in einer Abfolge von vielen, auch schmerzhaften Schritten.

Heilung von Erinnerung geschieht nur, wenn man ausspricht und benennt, was Schmerzen bereitet hat. Nicht Schwamm drüber, damit erreicht man nichts.

Die lange Zeit der Gespräche und Dialoge haben das erreicht, dass man sich nun wieder mit Vertrauen in die Augen sehen kann.

Auf dem Wege, den wir schon lange gehen, sind wir uns in Deutschland in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen nahegekommen.

In Friedensfragen und Gewaltprävention haben wir viel von den mennonitischen Schwestern und Brüdern gelernt.

(So hat der Mennonit Fernando Ens im Ökumenischen Rat der Kirchen die Dekade der Kirchen zur Überwindung von Gewalt 2001-2010 angeregt und auf den Weg gebracht,

die in unseren Kirchen engagiert begangen wurde). Wir haben an vielen Stellen unseres geistlichen Lebens Gemeinschaft erreicht.

Es bleiben auch Fragen offen, Differenzen, die sich aus den jeweiligen Prägungen, aber sie sind nicht mehr trennend im Sinne von Abgrenzung

Versöhnung braucht auch das Eingeständnis von Schuld, die Christen nennen das Buße, sie macht den Weg frei.

Ein beeindruckendes Geschehen, das auch auf andere ausstrahlte:

Der beim LWB in Stuttgart anwesende katholische Kardinal Kasper sagte, so etwas ist auch dringend nötig zwischen Täufern und der kath. Kirche,

aber das ist auch Im Gange und ich hoffe  auf gutem Wege.

 

Ergänzung

Die Mennoniten sind inzwischen weltweit verbreitet.

Nach Angaben der Mennonitischen Weltkonferenz gab es im Jahr 2015 weltweit etwa 2,1 Mio. Täufer. 

Regionale Schwerpunkte bilden unter anderem der mittlere Norden der Vereinigten Staaten und das Zentrum Kanadas (Manitoba), Paraguay, der Kongo und Äthiopien

 

Der LWB (Lutherische Weltbund) ist eine weltweite Gemeinschaft von 145 Kirchen lutherischer Tradition.

Unseren Mitgliedskirchen in 98 Ländern gehören weltweit über 72 Millionen Christinnen und Christen an.

 

                                                           

                                                                          Marita Krüger, Regionalbischöfin, Pröpstin i. R.

 

  

Hans-Joachim Köhler, Oberpfarrer i. R. | hansjoachimkoehler@msn.com