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1. Ohrdruf

   
Von St. Lullus, dem Schüler und Nachfolger des Hlg. Bonifatius, wurde nach dem Tode seines Vorgängers Bonifatius eine erste Lebensbeschreibung in Auftrag gegeben.
Willibald (nicht der Bischof von Eichstädt!) hat sie um 760 geschrieben.
Nach dieser Vita Bonifatii Kap. 6 hat Bonifatius nach den hessischen Gründungen dem Kloster Amöneburg (721) und der Missionsstation Fritzlar (gegründet um 723 nach der Fällung der Jupitereiche bei Geismar, ab 732 Kloster) um 725 (nach der Reinhardsbrunner Chronik 724) sein erstes Kloster Thüringens in Ohrdruf gegründet. Dort steht:
 
 
St. Michaelis Ohrdruf
"Als nun die Menge der Gläubigen allmählich zunahm und zur gleichen Zeit auch die Zahl der Prediger sich vervielfältigte,
wurden auch Kirchen hergerichtet und in einem Orte namens Orthorp (Ohrdruf) ein Kloster errichtet."
Von dieser Klostergründung ist kein Brief und keine Urkunde erhalten.
Wir erfahren von diesem kleinen Klösterlein in Ohrdruf aber wieder etwas,
als im Jahre 775 Bischof Lullus Karl dem Großen die Besitzungen des Klosters Hersfeld übergibt, um es als Reichskloster zu erheben.
Dazu hat Lullus ein Breviarium ausstellen lassen, das die Besitzungen Hersfelds aufzählt. Dieses Breviarium wurde dann weiter geführt.
Die Endredaktion lässt sich nicht mehr sicher feststellen.
In diesem "Breviarium Lulli" ist neben dem 769 von Lullus gegründetem Kloster Hersfeld (3) mit 20 Hufen als einziges Kloster in Thüringen Ohrdruf
"Cellulam unam nomine Ordorf h. 8" (4)
mit 8 Hufen erwähnt.

Ohrdruf ist also inzwischen dem neugegründetem Kloster Hersfeld zugeordnet worden.
Wir erfahren aus dem Wunderbericht des Hlg. Wigbert, geschrieben zwischen 932-936,
im Kapitel 17 weiteres über das Kloster Ohrdruf.
In ihm wird eine "Schule der Männer" zur Zeit des Bonifatius erwähnt.

 
Michaelisturm Ohrdruf
Damit haben wir sichere Nachricht darüber, dass in Ohrdruf eine höhere Kloster-Schule noch vor der berühmten Fuldaer Klosterschule bestand.



"…In dem Ort (locus), welcher Ordorph heißt, in dem ein altes Kreuzlein steht, ist der heilige Wigbert gewesen, der den christlichen Geist in der Schule der Männer lehrte…" (5)
Das St. Michaeliskloster lässt sich bis in das 11. Jahrhundert auch mit Schulbetrieb nachweisen.
Diese Schule ist die erste in Thüringen bekannte Ausbildungsstätte für Priester, also die erste "Theologische Fakultät Thüringens".
Wigbert war hier als Lehrer und Lullus war hier als Schüler. Wahrscheinlich war auch Wunnibald, der Priester von Sülzenbrücken und spätere Abt von Heidenheim in Bayern hier.
 
Es gibt auch wenig bekannte Aussagen über die Hlg. Cunihilt. Sie ist am 08. Dezember 760 in Ohrdruf gestorben. Dies wirft die Frage auf, ob es in Ohrdruf noch ein Frauenkloster gab? In Ohrdruf hat sich dieses Wissen durch den 1753 verbrannten Heiligen-Kreuz-Altar erhalten, auf den sie mit ihrer Tochter Berathgit dargestellt ist. Lampert von Hersfeld schreibt in seiner Lebensbeschreibung des Lullus:
"…Auch einige Frauen ließ er kommen, damit sie im Frankenreich keuscher Sittenreinheit eine Stätte bereiteten.
Viele von ihnen hatten um des Himmelsreichs willen jungfräulich zu bleiben gelobt … andere waren verheiratet gewesen und lebten im Witwenstand,…Unter letzteren befand sich eine Tante mütterlicherseits des heiligen Lullus, eine Frau von geradezu männlicher Entschlossenheit und Tatkraft.
Sie hieß Cunihilt und war begleitet von ihrer Tochter, die, von dem Vorzug ihrer Jungfräulichkeit abgesehen, auch in Bildung und sittlichem Ernst ihrer Mutter gleichkam.
Diese Frauen wurden Äbtissinnen von Frauenklöstern in Thüringen…"
(6)
siehe: 
" Die Schule des Bonifatius in Ohrdruf "
     

3. Sülzenbrücken

 
 
Sülzenbrücken
  Willibald zog eine Woche später wieder nach Eichstädt zurück und blieb dort vorerst Bischof in seinem Kloster Eichstädt.




In Sülzenbrücken wurde Willibald,
der Bruder von Wunnibald und Walpurga, im Jahre 742 als Bischof geweiht.
Er zog nach einer Woche nach Eichstädt weiter, um dort das Bistum zu übernehmen.
Wunnibald betreute nach diesem Bericht
sieben Kirchen
.
Wir kennen aber nicht die Orte dazu. Wunnibald wurde später Abt in Heidenheim/Baiern.
Im Breviarium Lulli steht über Sülzenbrücken, dass es 42 Hufen und 33 Mansen hatte.
Daher war es wohl auch finanzkräftig genug um eine Bischofsweihe durchführen zu können.
Neben der Villa Gebesee (70 Hufen und 44 Mansen), Wechmar (40 Hufen und 33 Mansen) war es um 775 das hufen- und mansenreichste Gut Hersfelds in Thüringen.

Das Klösterlein Ohrdruf hatte dagegen nur 8 Hufen.
 
 

In der Vita Willibaldi episcopi Eichstetensis steht:

"Und zunächst wurde ihm (Wynnebald) die geistliche Gewalt und Leitung von sieben Kirchen bertragen, damit er an ihrer Spitze ihnen den heilbringenden Weg zum Leben erschließe"
Hier erfahren wir, dass der Bruder Wunnibald von Sülzenbrücken aus sieben Kirchen betreute.
Wir wüssten natürlich gerne an welchen Orten sie gestanden haben.

Weiter berichtet er über die Weihe des Willibald in Sülzenbrücken am 22.10.741:
   


"Und es war die Herbstzeit des Jahres, als Willibald nach Thüringen kam. Und sogleich, nachdem er dorthin kam, weihten ihn der hl. Bonifatius, der Erzbischof, und Burchhard und Wizo und verliehen ihm die Würde des heiligen Bi­schofsamtes. Doch blieb er damals dort, nachdem er mit der höchsten Ehre der priesterlichen Inful (Mütze) ausgestattet war, eine Woche lang. Und hierauf kehrte er wieder an den für seinen Wohnsitz vorbestimmten Ort zurück."

4. Altenbergen

   
Im Jahre 722 schreibt Papst Zacharias an Bonifatius einen Brief (7)  
"Dezember 722
Den erlauchten Männern, seinen Söhnen Asolfus, Godolaus, Wilareus, Gundhareus, Alvoldus und allen gottgeliebten Christgläubigen Thüringern Papst Gregorius.
(8)
Als wir die uns mitgeteilte Standhaftigkeit Eures herrlichen Glaubens in Christus erfuhren, dass Ihr den Euch zum Götzendienst drängenden Heiden glaubensfest die Antwort gegeben habt, Ihr wolltet lieber glückselig sterben als die einmal gewonnene Christgläubigkeit irgendwie verletzen, hat uns das mit großer Freude erfüllt, und wir haben unserem Gott und Erlöser, dem Geber aller Güter, den schuldigen Dank abgestattet; von seiner Gnade geleitet möget Ihr, das ist unser Wunsch, zu noch Besserem und Höherem weiterschreiten, zur Festigung des Vorsatzes in Eurem Glauben frommes Sinnes an der Lehre des heiligen apostolischen Stuhles festhalten, und wenn es der Dienst an unserer heiligen Religion erforderlich macht, bei der genannten heiligen apostolischen Kirche, der geistigen Mutter aller Gläubigen, Hilfe suchen, wie es sich für die Söhne gehört, die zusammen ein Reich erben, bei ihrem königlichen Vater.
Wir wollen auch und fordern Euch auf, dass Ihr Euch mit dem, was der gegenwärtige geliebte Bruder Bonifatius macht, den wir zu Euch als geweihten Bischof geschickt haben mit der Aufgabe eines Missionspredigers, nachdem er unsere apostolischen Weisungen erhalten hat, um Euren Glauben auszurichten, einverstanden zeigt, indem Ihr ihm gehorsam seid in allem zur Vervollständigung Eurer Rettung im Herrn."
In ihm werden fünf Männer erwähnt, die ihren standhaften Glauben in Thüringen bewahrten.

Nach späten Zeugen (Johannes Rothe lebte im 1. Viertel des Fünfzehnten Jahrhunderts) hat Asolf, der im Brief 19 von 722 als erster unter den genannten Thüringern steht, auf dem Johannesberg in Altenbergen seinen Sitz gehabt.
Hierzu ist in den ersten 700 Jahren bis ca. 1418 keine schriftliche Bonifatiustradition zu finden.
Dies lässt die Wissenschaftler zweifeln, ob diese Aussage des Johannes Rothe überhaupt stimmt.

Wenn eine solche Aussage erschlossen werden soll, dann kann dies nur über eine Asolf-Tradition gehen.
Die müsste aber erst durch weitere Ausgrabungen erhärtet werden.
 
Kandelaber bei Altenbergen

5. Weitere Orte

   
   
Es scheint so zu sein, diese "Bonifatiuskirchen" dem Kloster Fulda zuzuordnen und die "Wigbertkirchen" dem Kloster Hersfeld. Die "Bonifatiuskirche" in Arnstadt gehört wahrscheinlich ab dem 10. Jahrhundert zu Hersfeld. Diese Patrozinien gilt es weiter zu erkunden und in die Vorbereitungen zur Bonifatiuswallfahrt einzubeziehen.
Viele Orte führen St. Bonifatius oder St. Wigbert als Patron im Namen ihrer Kirchen. Dies sind meist Kirchen, die im Breviarium Lulli als Besitz des Bonifatius an Lull und an Karl den Großen übergeben wurden (Tafel II des Breviariums) oder in der Fuldaer-Schenkerurkunde (Dobenecker I, Nr. 294) zu finden sind.

5.1 Die Orte des Breviarium Lulli

   
Das Breviarium Lulli (Dobenecker I, Nr. 70)

775 hat Lul das Kloster in Hersfeld Karl dem Kloster als Reichskloster übergeben. Dazu hat er eine Liste der vorhandenen Güter aufgestellt.

Diese Liste ist in drei Tafeln bis zum Tode Karls des Großen erweitert worden, ohne dass wir diese Erweiterungen genau rekonstruieren können.
 
Tafel I enthält Güter, die Karl der Große dem Kloster Hersfeld nach 775 n. Chr. übermachte.

Tafel II enthält Güter, die Lullus als Erbe von Bonifatius vor 775 n. Chr. übernommen hatte.

Tafel III enthält Güter, die von verschiedenen Personen dem Kloster nach 775 übergeben wurden.

5.2 Die Orte der Fuldaer Schenkungs-
urkunde

   
In der Fuldaer Schenkungsurkunde
(Dobenecker I, Nr. 294)
Die Fuldaer Schenkungsurkunde enthält eine erste erhaltene Liste von Fundatoren, die dem Kloster Fulda
 

vor 900 n. Chr. Schenkungen von Gütern übermachten. Dobenecker schreibt in der Anmerkung 1:

„ von den 310 Traditionen, die hier zusammengefasst erscheinen, haben sich nur 9 annähernd ihrer Abfassungszeit bestimmen lassen. Wie die Anm.(erkungen) ergeben, gehören hiervon 6. dem 8. Jahrh., die übrigen 3 dem 9. Jahrh. an…Offenbar gehören die Schenkungen sämtlich der Zeit vor 900 an…“
Resümee:
Dies sind aus der Fülle der vorhandenen Urkunden zwei Beispiele von frühen zusammengefassten
Nachweisen Thüringer und anderer Orte mit einer Bonifatius- oder Wigberttradition.
Schreiben Sie die Nummer der Urkunde Ihrer Ersterwähnung aus diesen und anderen Regesten von
O. Dobenecker in unser Gästebuch.
So können Sie Ihre Bonifatius- oder Wigbertradition in diese WebSite stellen
und damit dem Titel dieser WebSite www.bonifatius-in thueringen.de besser gerecht werden.

 

Anmerkungen:

Rau, Reinhold, die Briefe des Bonifatius / Willibalds Leben des Bonifatius, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt, 3. unveränderte Auflage 1994 
Rau aaO. wie (1)
Fulda wurde 744 im Auftrag des Bonifatius von Sturmius gegründet.
Josef Hörle "Breviarium Lulli - Gestalt und Gehalt". Aus Archiv für mittelrheinische
Kirchengeschichte 12, 1960 S. 50.
(nach freundlicher Übersetzung von W. Kahl/Kranichfeld in: Müllerott, Sagen Fabeln und romantische
Geschichten…, Thüringer Chronik-Verlag- Verlag H.E. Müllerott, Arnstadt 1995 /1997
Lampert von Hersfeld "Das Leben des heiligen Lullus" Ott Verlag GmbH, Bad Hersfeld 1986 S. 38
Rau, Reinhold aaO. S. 71f
Rau, Reinhold aaO. S.  71 Anmerkung 1) Es ist nicht zu erkennen, ob dieses Schreiben durch einen schriftlichen Missionsbericht des Bonifatius (Willibald Vita cap. 6) oder durch seinen mündlichen Vortrag bei der zweiten Romreise veranlaßt ist.
Im zweiten Fall steht die Datierung außer Zweifel. Im übrigen ist der Brief unvollständig erhalten.
Der Schluß hat offenbar schon dem Sammler nicht mehr vorgelegen.

 

Hans-Joachim Köhler, Oberpfarrer i. R. | hansjoachimkoehler@msn.com